Auszug aus dem Ferientagebuch

Darf man kinderfreie Lebensbereiche für gut befinden?

Kinder, Kinder!
Sie können süß, putzig, brav, lieb und verschmust sein.
Sie sind für viele das Lebensziel, der Lebensauftrag und der Lebensmittelpunkt.
Doch, gibt es auch Zeiten, in denen man Orte und Bereiche ohne Kinderlachen schätzen darf? Sind kinderfreie Zonen erlaubt?
Im Urlaub zum Beispiel?
Wenn ich mir eine arbeitsfreie Zeit gönne, dann halte ich immer Ausschau nach dem verführerischen Schild: Adults only. Zu deutsch: nur Erwachsene!

Waren Sie jemals in so einem Bereich?
Wenn nicht und Sie haben die Möglichkeit, weil ihre Kinder gut fremdbetreut oder bereits „aus dem Gröbsten raus“ sind, dann probieren Sie es bitte aus.
Es mag stimmen, dass die Welt leer wäre ohne ein Kinderlachen. Doch es stimmt auch, dass es manchmal schön ist, KEIN Lachen von außen zu hören und nur seinem eigenen, inneren Dialog zu lauschen und sich vielleicht nicht zuständig fühlen zu müssen, wenn ein Stimmchen „Mama“ ruft.
Gerade aktuell ist eine heftige Diskussion in den sozialen Medien im Umlauf: ein Restaurantbesitzer öffnet ab 17 Uhr sein Lokal für Adults only!
Und warum? Weil sich viele Erwachsene durch den Kinderlärm gestört fühlen. Es mag sich die Frage stellen ob das richtig oder falsch ist. Aber warum muss man immer alles in Schwarz und Weiß teilen? Warum kann man etwas nicht einfach so stehen lassen, ohne es zu bewerten? Es wird einen Grund geben, warum der Besitzer sich so entschieden hat, auch auf die Gefahr hin, Kunden zu verlieren oder schlechte Bewertungen zu bekommen.
Ich finde es mutig, eine Entscheidung zu treffen und dahinter zu stehen. Generell. Und ganz besonders wenn diese auch für die Öffentlichkeit von Bedeutung ist und polarisiert.
Immer mehr  Eltern genießen vor allem im Urlaub die kinderfreien Bereiche und können als Paar die gemeinsame Zeit nutzen, die im Alltag oftmals zu kurz kommt.
Vielleicht sind die vehementen Kinderfreibereichsverweigerer die, die Schwierigkeiten mit dem Abgeben von Verantwortung oder Angst vor Kontrollverlust haben?
Zu vertrauen, dass alles seine Richtigkeit hat und jemand anderer auch gut für das Kind sorgen kann, ist vielleicht auch nicht so einfach für den/die eine(n) oder andere(n)!
Und dann wollen wir das schlechte Gewissen nicht vergessen! Man muss alles, besonders die Kindererziehung, ALLEINE schaffen! Nur keine Hilfe beanspruchen und sich bitte fast bis zur Eigenauflösung engagieren!
Glückliche Eltern sind gute Eltern. Wenns den Eltern gut geht, geht es den Kindern auch gut. Also sei zu tun was dafür notwendig ist. Die einen brauchen mal kinderfrei, die anderen sind glücklich, wenn alle zusammen sind.
Jeder soll die Möglichkeit haben, sich zu entscheiden. Und deshalb finde ich es gut, dass es kinderfreie Zonen gibt. So kann jeder dorthin gehen, wo er meint seine Entspannung zu finden.
Ich finde es nicht in Ordnung, jemanden dafür zu verurteilen, dass er seine Freizeit lieber ohne Kinderstimmen verbringt. Umgekehrt soll es Bereiche geben, in denen Kinder eben Kinder sein dürfen. Ohne Rücksicht!

Notiz an mich selber:
Lärm ist menschlich, Stille göttlich!

Verzeihung!

Ein großes Wort, finden Sie nicht?
Aber nur, wenn man es wirklich, wirklich ernst meint.
Es kann auch ein Wort sein,  das einem schnell mal über die Lippen kommt, weil es manchmal  süffisant, zweideutig, unsicher, provokant oder doppeldeutig benutzt wird.  Vielleicht ist es tief im Inneren ernst gemeint, aber es wird eingebettet in Unsicherheit, damit man nicht dumm da steht wenn das grundsätzlich heilsame Wort vom Gegenüber nicht ernst- oder gar angenommen wird.

Verzeihen heißt: „Erinnern ohne Schmerz„.
Geht das überhaupt? Ja, das geht!
Mit Hilfe der Zeit, und der inneren Bereitschaft.
Konfuzius sagt: „Es schadet nicht, wenn einem Unrecht geschieht. Man muss es nur vergessen können.“
Klingt merkwürdig im ersten Moment, ich weiß, doch bei genauerer Betrachtung hat der große Meister recht. Verzeihen verhilft zu eigenem inneren Frieden und ist KEIN Zeichen von Schwäche, im Gegenteil!

Manchmal, tief im inneren, in unserem Kinder-Ich(Sigmund Freud), neigen wir dazu, aus sehr fragwürdigen Gründen nicht verzeihen zu können oder zu wollen. Man befürchtet, dem anderen dadurch einen Freibrief zu geben und möchte ihn bestrafen. Dass dadurch die Beziehung zu unserem Gegenüber im schlimmsten Fall auseinanderbricht, bedenken wir in unserem Zorn gar nicht.
Doch was hat man selbst dazu beigetragen, dass ein Verzeihen überhaupt notwendig ist? Auch diese Seite muss betrachtet werden, selbst wenn man sich als Verletzte(r) im absoluten Recht und in der Opferrolle sieht.
Aber wie oft soll man verzeihen? Ist es nicht auch wichtig, eine Grenze aufzuzeigen und dem Gegenüber zu vermitteln, wann etwas wirklich, wirklich genug ist? Was, wenn man sich selbst in all der Verzeihung verliert und irgendwann seine eigenen Grenzen nicht mehr kennt?
Jesus sagt: „Geben ist seliger denn nehmen„. Das bedeutet, dass wir gar nicht so oft verzeihen können, als dass uns schon vergeben wurde. Egal von wem. Irgendjemanden haben wir auch schon einmal verletzt und dann waren wir auf dessen „Gnade“ angewiesen. Ich weiß das klingt sehr theatralisch, doch ich denke dass es darum geht. Selbst wenn wir nicht um Verzeihung bitten, weil wir denken es sei egal, ob uns vergeben wird und wir auf die Zuneigung des anderen nicht angewiesen sind, ist ein wohlwollendes ungestörtes Verhältnis für jeden von uns ein beruhigendes Gefühl, denn JEDER  möchte geliebt, wertgeschätzt und (an)erkannt werden.
Und deshalb bin ich der Meinung, dass wir alle auf Vergebung angewiesen sind, Punkt.

Es gibt viele Gründe fürs Verzeihen: das Missverständnis, ein verpasster Termin, der zu früh eingetretene Tod eines geliebten Menschen, das selbst herbei geführte Lebensende, die Lüge, der Seitensprung, das Suchen von Bestätigung im Außen, das Herabwürdigen und Beschimpfen und so vieles mehr…
Letztendlich geht es bei jeder Verletzung um alte, meist kindliche  Erlebnisse, die darauf warten, gelöst zu werden.
So können wir also, im Erwachsenen-Ich, Verzeihen als Chance zur Heilung betrachten.
Mein Lieblingspädagoge und Tiefenpsychologe Andreas Winter sagt, dass es leider nicht sehr viele echte Erwachsene gibt, weil wir bei  jeder nächsten Gelegenheit als kindliche Opfer mit kindlichen Methoden reagieren(Rückzug, Angriff oder Totstellung).
Es liegt also noch ein weiter Weg vor uns zum wahren Erwachsensein, wenn wir das werden wollen!

Eines ist sicher: Verzeihen geht sicher nicht von heute auf morgen, es braucht seine Zeit und darf geübt werden. Letztendlich tun wir uns nur selbst den größten Gefallen, wenn wir es schaffen. Und vielleicht geht es gar nicht immer um das Verzeihen  der Fehler des anderen, sondern um unsere eigenen.

Falls  sie sich vielleicht gerade die Frage stellen ob sich verzeihen überhaupt lohnt, dann erinnern sie sich daran, dass Verzeihen eine Eigenschaft des Starken ist und nicht die des Schwachen!

Danke an alle Verzeiher und *Chapeau* an diejenigen die das Verzeihen täglich üben!

Auszug aus dem Reisetagebuch

Amore mio!

…sind dann die Einkaufstaschen und die wertvollsten Dinge im Hotelzimmer verstaut und frau die Hände für andere wichtige Dinge frei hat, zieht es sie in eine der angesagten Bars der via della shopping.

Aktuelle Beats dröhnen aus den Boxen, der Barmann mixt was das Zeug hält und wo man hinschaut coole italienische Menschen. Und österreichische. Viele, viele österreichische junge Menschen.
Es ist springbreak-time in Lignano! Ausnahmezustand tagsüber am Strand und nächtens in der Barstreet.
Zum Glück hat frau vorgesorgt und sich ein schmuckes Hotel mit feinem Pool und Poolservice organisiert.
Ein Spaziergang am Strand reicht aus, um sich einen groben Überblick über die Situation zu verschaffen und weiß, wo man seine Badezeit NICHT verbringen will!
Selbst beim Liegen am Wasserbecken kommt man in den musikalischen Genuss, der sich aus den transportablen Boxen ergießt und frau gibt zu, dass die rhythmische Dröhnung zur Einstimmung auf einen lau(t)en Abend beitragen können.
Nachdem frau sich also in einer hippen Bar einen fixen Stellplatz organisiert hat, freie Sicht auf alle Gäste hat und (die eine mehr als die andere) unauffällig zum Rhythmus schwingt, wird zunächst ein Cocktail bestellt und über dessen Zubereitung und mögliche Wirkung diskutiert.
Das flotte Tanzbein wird in Stellung gebracht, sämtliche unvorhergesehene Situationen im Geiste durchgespielt. Frau muss sich schließlich dieses Wochenende ohne männlichen Sicherheitsbeauftragten durchschlagen und da das tanzende und trinkende Nachtvolk eher noch in der unteren Altersliga spielt, wähnt sich das SIE über 40 in Sicherheit.
Die Lignano-Damen lachen, konversieren, philosophieren und begutachten ihr Umfeld und schießen natürlich Fotos von den vielen nocturnal animals und von sich selbst.
Und wenn du denkst, es ist hier niemand an dir in reiferem Alter interessiert, dann täuschst du dich. Denn nur ein kurzer Moment der Unachtsamkeit reicht aus und jemand zeigt großes Interesse:
an deiner Tasche!
Und bis du drauf kommst ist der Aufreißer längst damit über alle Berge!
Mit einer Frau in fortgeschrittenem Alter legt sich keiner an, denn die schützen sich vor ungewollten Angriffen jeglicher Art!
Deshalb hat sie alles Wichtige, inklusive Einkaufstaschen, im Hotelzimmer gelassen. Damit rechnet kein Abstauber und wird sich solange in Sicherheit eines ergiebigen Raubzuges wähnen, bis er sein Diebesgut öffnet.
Da die entwendete Tasche zum Glück NICHT von Bulgari war, ist die Trauer über den Besitzerwechsel nicht allzu groß und frau kann sich wieder den wichtigeren Dingen des Lebens widmen, wie zum Beispiel dem Konsum eines weiteren Mischgetränk und der Überlegung wo eine neue Tasche ersteigert wird.
Ein Vorteil am Älterwerden ist größere Flexibilität und mehr Gelassenheit! Die Natur hat für risikoreiches Leben vorgesorgt.

Erkenntnis: nicht immer muss es ein Herz sein, das man im Urlaub verliert. Manchmal ist auch „nur“ eine Tasche!

Danke an die Stammtischdamen für das entzückende, sonnendurchflutete und erlebnisreiche Lignano-Wochenende!

Auszug aus dem Reisetagebuch

Mode, schau!

Wenn der erste Tag im sonnigen Italien zu Ende geht, und frau sich zurechtmacht, dann ist sie bereit für la Notte mit allem was dazu gehört.
Wie bereits erwähnt, hat noch keine gute Geschichte mit einer „Latte“ begonnen und dementsprechend wird die Vinobar angesteuert, in der man schon am Nachmittag gute Stunden verbracht hat.
La Lingua erinnert sich sogleich an il Gusto und sendet alle Eindrücke ans weibliche Gehirn.
Da man jederzeit mit diversen Knabbereien zum Alkohol verwöhnt wird, läuft man fast Gefahr, seinen anfänglichen Appetit zu betäuben, doch in fortgeschrittenem Alter weiß jeder, wie übel solche Geschichten enden können. Also beendet frau nach dem Glas ihre Weinsitzung und schlendert durch die betriebsame Einkaufsstrada, ein Auge immer auf mögliche Schnäppchen gerichtet.
Ein feines Ristorante ist alsbald gefunden, denn so gut wie jedes Lokal bietet ausgezeichnete italienische Cucina und fast alles was Herz und Magen begehren, kann bedenkenlos genossen werden.
Die eine entscheidet sich für eine typische italienische Speise wie Pizza, die andere schließt sich an und die dritte wagt sich an frittierte Meerestiere. Egal was, alle sind zufrieden und lukullisch glücklich. Das Essen schmeckt, das Wetter passt und der Wein hinterlässt einen feinen Geschmack auf der Urlaubszunge.
Aber da frau ja nicht (nur) zum Spaß in italienischen Gefilden weilt, sondern einen einkaufstechnischen Auftrag zu erfüllen hat, wird die Tafelrunde beendet und dem Duft der zahlreichen Modehäuser gefolgt. Alteingesessene Lignano-BesucherIn(ausgesprochen Linjano) kennt natürlich die besten Shops mitsamt deren VerkäuferIn oder gar BesitzerIn und handelt nach erfolgreicher Ware-gegen-Geld-Interaktion ein paar percentuale zugunsten der UrlauberIn heraus!
Und so kann es den ganzen Abend weitergehen. Oder fast. Denn shoppen macht auch durstig und die ausgetrocknete Kehle schreit nach einem Prosecco auf Eis oder einem Aperol sprizz.
Also kehrt man in der nächsten Vinothek ein und ordert das alkoholhältige Erfrischungsgetränk!
Da man mit Einkaufstaschen nicht besonders lässig wirkt, entscheidet frau, diese besser ins Hotelzimmer zu bringen um die Hände frei zu haben für eine Nacht voller Musik, Tanz und Unterhaltung.

Und falls man am nächsten Morgen mit Ringen unter den Augen aufwacht, dann sind die hoffentlich von Bulgari!

Fortsetzung folgt…

Auszug aus dem Reisetagebuch

…oder: wenn eine eine Reise tut, dann kann sie was erzählen.

Wie war das? Eine Einladung schlägt man nicht einfach aus. Schon gar nicht, wenn es sich dabei um den Geburtstag der Freundin handelt, sie zwei Jahre im Vorfeld geäußert wird und der Feierort Lignano Sabbiadoro ist.
Zwei Jahre Vorlaufzeit. Zwei Jahre Vorfreude. Zwei Jahre Vorbereitung. Für etwas bemoostere Menschen also gerade genügend Zeit,  sich geistig-seelisch auf die Reise vorzubereiten.
Während Männer vermutlich „einfach“ ins Auto steigen und losbrausen, müssen Frauen diese Absicht lange planen. Etwaig vorhandene Kinder müssen gedanklich versorgt gewusst, die Wäsche für die hinterbliebene Familie vorbereitet, das notwendige Outfit geplant und ein möglicher Friseurtermin organisiert werden. Man muss vorbereitet sein, die Zeit vergeht ja so schnell…
Zwei Jahre und einige Lebensumstandsveränderungen später trifft man sich zum Reisestelldichein. Das Frauenvehikel vollgepackt wie für eine Weltreise, für alle Eventualitäten gewappnet, braust man also genItalien. Dank Geburtstagskinds Organisationstalent wurde ein schickes, gemütliches Hotel sowohl in Strand- als auch in Einkaufsstraßennähe gebucht. Ganz so, als hätte man gewusst, was Frauen wollen.
Nachdem man also nach sechsstündiger Autofahrt endlich den Ort des Geschehens erreicht und das doch deutlich kleinere Zimmer als zuhause bezieht, sucht frau eine italienische Proseccobar auf, um sich das geistige Einstellen auf die beschränkte Bewegungsfreiheit etwas zu erleichtern. Alkohol löst zwar keine Probleme, aber das tut Wasser schließlich auch nicht!
Man wird im beliebten Urlaubsort schnell fündig und genießt das Ankommen bei einem kühlen Glas Frizzante. Erste Überlegungen über den dreitägigen Urlaubsalltag werden angestellt und schnell wird klar: die Lignano-Damen wollen grundsätzlich dasselbe von den gemeinsamen freien Tagen. Das erleichtert das 24stündige Zusammensein auf engem Raum ungemein. Ist ja nicht so, als würde man sich nicht kennen, daher fällt es nicht schwer, aufeinander Rücksicht zu nehmen, oder es zumindest zu versuchen.
Mit fortgeschrittener Stunde und einem weiteren Glas vom Hochprozentigen wird die Runde immer gesprächiger, die Laune immer besser, die Müdigkeit immer geringer und der Spaß immer lustiger.
Doch da Frauen eher zur Vernunft neigen, trinkt man sich leer und nimmt den jetzt komischerweise breiteren Weg Richtung Hotel ins Visier. ‚Wer schwankt hat mehr vom Weg‘!

Zielsicher wird der reservierte Strandplatz angesteuert und sobald die Liege gefunden, mit Handtuch gesichert wurde und der Schirm aufgespannt ist, wird die neue Freiheit zum langverdienten Schläfchen genutzt. Leider ist dies im Familienbadeort nicht ungestört möglich, da Menschen verschiedener Herkunft mit dem Anpreisen ihrer Waren hier ihren Lebensunterhalt bestreiten. Und sie nehmen auf dein Schlafdefizit keine Rücksicht und reißen dich mit beherzten Rufen aus deinen süßen (Prosecco- und Mode)Träumen.
Dennoch hilft das Powernapping beim Erholen und energiegeladen macht man sich daran, sich auf einen italienischen Abend einzustellen.
Die Innenstadt eignet sich dafür am besten und man beginnt den Abend so, wie man den Nachmittag beendet hat:
nämlich mit Alkohol… weil noch nie eine gute Geschichte mit einem Glas Milch begonnen hat.

 

Fortsetzung folgt…

DE MUTigen gehört die Welt

 

Kann man Demut lernen, oder ist sie angeboren?
Sollte man demütig sein oder werden oder ist das ein alter und überholter Begriff aus der Kirchensprache?
Wenn jemand früher von Demut oder demütig-sein sprach, dann wusste ich nichts damit anzufangen und hatte sofort das Bild der knieenden Nonne vor Augen, deren gesamtes Handlungsfeld der Kirche und Gott gewidmet war. Faaaaaaad!

Heute, einige Jährchen später hat sich mein Bild von Demut geändert. Ich versuche demütig zu sein. Noch mehr zu sein oder endlich zu werden. Manchmal ist es mir zu wenig. Nämlich dann, wenn ich ein langersehntes Ziel erreicht oder ein Projekt beendet habe, und schon wieder zum nächsten (scheinbaren) Etappensieg hetze. Nichts gegen Ziele-vor-Augen-haben, doch sich im eigenen Haus umschauen bevor man die Welt verändern will wäre auch nicht schlecht.

Sind SIE demütig?
Was heisst das eigentlich?
In Wikipädia steht: die Bereitschaft, etwas als Gegebenheit hinzunehmen, nicht darüber zu klagen und sich selbst als eher unwichtig zu betrachten.
Nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Kriechertum, das besagt, dass man sich selbst erniedrigt, oder sich vor anderen demütigt. Das hat nichts mit Demut zu tun!
Genauso gibt es einen großen Unterschied zwischen demütig sein und gedemütigt werden. Ersteres ist die eigene innere Einstellung, während zweiteres das Ausnutzen seiner Stellung gegenüber einem anderen bezeichnet.
Nun, zurück zum eigentlichen Gedanken: sollte man also demütig sein?
Ja! Ich denke schon. Vielleicht könnte man demütig mit dankbar vergleichen. Dankbar sein für das was man hat, was man geschafft hat, was man ist. Natürlich gibt es immer mehr, immer etwas Schöneres oder Besseres, aber warum nicht einmal innehalten, sich umsehen und erkennen, dass es aber auch immer etwas Schlimmeres, Hässlicheres oder Schlechteres gibt?,
Ich habe mich während meiner „Recherchen“ zu diesem Thema umgehört und bin drauf gekommen, dass demütig-sein auch etwas mit voranschreitendem Alter zu tun hat. Wenn man jung ist, erkennt man die Bedeutung dieses Wortes noch nicht. Vielleicht weil das Bewusstsein, dass Erreichtes nicht geschenkt, Gesundheit nicht selbstverständlich und Liebe in ihrer unterschiedlichen Aufmachung ein Glücksfall ist, noch fehlt.
Doch mit wachsender Lebenserfahrung erkennen wir, dass ALLES in und um uns Geschenke sind und dass uns ALLES in einem Bruchteil einer Sekunde wieder genommen werden kann.
Die Eltern, die ihren Erziehungsauftrag nicht zeitgerecht erfüllen konnten, der geliebte Mann, mit dem man seine Zukunft geplant hatte, selbst das Kind dem nur ein kurzes Stück Leben vergönnt war. Wobei der Tod das endgültigste aller Schicksale ist, doch was ist mit Naturkatastrophen, die über uns und unseren Besitz unangemeldet hereinbrechen und unsere Existenzen bedrohen oder gar auslöschen können?
Nichts von dem was wir sind und haben ist von Dauer und dessen MÜSSEN wir uns bewusst sein. Sich einfach immer wieder mal daran erinnern und dankbar sein, dann ist der Schritt zur Demut getan.
Im Gespräch mit einer lieben Freundin sinnierten wir über den Begriff und dessen Bedeutung und wir kamen drauf, dass man in diesem Bewusstsein über die Vergänglichkeit dennoch Spass haben soll bzw MUSS! Denn sonst hätte all das keinen Sinn. Und die Fähigkeit, mitten in der Pflichtvergessenheit einen dankbaren Gedanken zu haben, die kann man üben.
Es gelingt mir schon ganz oft, am Ende eines Tages ein beherztes Danke auszusprechen und es macht mir ein gutes Gefühl, Dankbar zu sein.
Vielleicht ist Dankbarkeit und Demut die Vorbereitung aufs Glücklichsein?
Es fühlt sich zumindest so an…doch darüber wird es vielleicht einen eigenen Artikel geben😉.

Notiz an mich selber: Die Steigerung von MUT ist DEMUT und den MUTigen gehört ja bekanntlich die Welt.

Auszüge aus dem Kurtagebuch

Tag1: nun ist er da, der langersehnte Kurantritt. Immerhin hat man ja eine ganze Zeit darauf gewartet. In der Hoffnung, seine Gesundheit zu stärken und seine etwas in Mitleidenschaft gezogenen Gebeine wieder auf Vordermann zu bringen, nimmt man eine dreiwöchige Trennung von Heim und Herd mitsamt den dazugehörigen liebgewonnenen Menschen in Kauf.
Nachdem das Einchecken in den neuen vier Wänden vollzogen ist, der Hund seinen Platz bezogen und jedes heimische Mitbringsel einen Place-to-be gefunden hat, begibt man sich voller Spannung zum Stelldichein mit den Mitkurenden.
Ganz wahllos wird man an den Essensplätzen zusammen gewürfelt und der oder die TischnachbarIn wird innerhalb kurzer Zeit zum wertvollen Ansprechpartner, mit dem man doch zumindest gesundheitlich so viele Gemeinsamkeiten hat.
Es ist eine Interessensgemeinschaft: jeder will das gleiche. Nämlich Besserung seines aktuellen Allgemeinzustand!

Notiz an mich selber: pflege deinen Körper, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.

Fortsetzung folgt…

Tag2: nachdem man sich in seinem neuen Heim bereits gemütlich eingerichtet hat, die Tischdamen die neuen Vertrauten sind und man die Vollwertkost euphorisch in sein neues Leben integriert hat, gilt es, sich an das tägliche Morgenritual des Hotels zu gewöhnen.
Zwischen sechs und halb sieben Uhr früh dreht sich der Schlüssel im Schloß einmal leise um sich selbst und öffnet der „FeemitdemTee“ Tür und Tor in die gesunden und heiligen vier Wände.
Einer der guten Geister des Hauses serviert hier einen frischen heißen Nierentee ans Bett. Man muss nicht mal seine Augen dazu öffnen, denn sobald man das getan hat, ist dieser(der gute Geist) schon wieder verschwunden. So leise wie er(der gute Geist) gekommen war.
Dieser Brauch wurde vor 44 Jahren eingeführt und beibehalten. „Immerhin soll man schon das Gefühl des Kurens erleben“, so der Hotelchef.
Das einzige Mittel zur Abschreckung der Teezufuhr ist die Anwesenheit eines Hundes!
In diesem Fall wird die Teekanne vor der Tür abgestellt und die Teefee verschwindet unbemerkt durch die heimeligen Hotelgänge.

Frage an mich selber: warum muss Tee ziehen, während Kaffee sich setzen darf?🤔

Fortsetzung folgt…

Tag3: Am dritten Tag deines „neuen Lebens“ bemerkst du bereits erste Veränderungen an dir. Dein Körper schmerzt an Stellen, die schon länger kein Lebenszeichen von sich gegeben haben. Ist das die neue ungewohnte Liegestätte oder die vermehrte Bewegung, oder gar die manuellen „Streicheleinheiten“ der kompetenten Therapeuten? Man weiss es nicht genau, lässt sich aber auf das Abenteuer „Körper kennen lernen und neu ausrichten“ weiter ein, man soll ja schließlich neugierig bleiben.
Die Lust an Bewegung wird durch das angenehme steirische Klima zusätzlich positiv verstärkt und man lässt sich auch durch den(vom Schmerz verursachten) erschwerten Rechts- Linksblick beim Walken nicht abhalten, mindestens zwei Stunden Frischluft zu inhalieren.
Das einzige das einem das Weitwandern verpfuschen könnte wäre deine neue, in Gang gebrachte Verdauung.
Frage an mich selbst: ist das dann Kurpfuscherei?🤔
Aber man ist zum Glück damit nicht allein, denn auch die übrigen Kurgäste sprechen offen über ihre beschleunigte Digestion😎
Ein weiterer Vorteil einer Interessengemeinschaft!

Notiz an mich selbst: leer werden, um sich neu zu füllen! *machtsichaufzummittagessen*

Tag4

…oder: „Turne bis zur Urne“.  ‚These bones are made for walking‘, sicher, immerhin nennt sich unser Körper ja auch BEWEGUNGsapparat.
Frage an mich: warum leben dann Faultier, Panda und Co auch relativ lange, vermutlich ziemlich stresslos und dementsprechend gesund?🤔
Nun, der Mensch hat Gründe fürs Bewegen – und dagegen🤣.
Gründe dafür können sein: gesundheitliche, soziale, berufliche, psychische oder ganz einfach ein Hund.
Gründe dagegen: das Wetter, die Befindlichkeit, der Haarbruch, der verformte Zehennagel oder ganz einfach die Couch die dich verschluckt hat.
Während man sich hier also zumindest um seine inneren Vorgänge nicht kümmern muss, kostet die tägliche Portion Zusatzbewegung neben den verschriebenen Anwendungen manchmal ganz schön an Überwindung. Wenn du es aber dennoch geschafft hast, strotzt du vor Stolz und nimmst die schmerzenden Gebeine dafür in Kauf! Im Gegenzug bekommst du angenehme Wickel, Bäder oder Massagen um alles erträglicher zu machen.
Wer jetzt allerdings glaubt, dass die hier handanlegenden Therapeuten vor Pein gefeit sind, der irrt. Dem aufmerksamen Kurgast entgehen die leidvollen Schilderungen der mobilen Fachkräfte hinter vorgehaltener Hand nicht, und so manch Bewegung jener welcher wird auch in Schonhaltung ausgeführt. Das beruhigt die eigenen schmerzenden Glieder zumindest ein wenig und man hat das Gefühl nicht gänzlich alles falsch gemacht zu haben…

Notiz an mich selber: jammern verbrennt sicher auch Kalorien😂

Fortsetzung folgt…

Tag5

…oder der Kampf mit dem Mampf.

nachdem die erste Woche schon wieder langsam im Fertigwerden ist, stellt sich an unserem Tisch täglich die Frage: „Was habe ich gestern zu essen bestellt?“ und: „Hab ich heute darauf Lust?“
Neben der täglichen morgendlichen Teelieferung zählt auch das Aussuchen der Speisen für den Folgetag zu den kurhäuslichen Ritualen. Was schier unmöglich scheint ist dennoch machbar und wir schaffen es beim Mittagessen, die Menüfolge für den nächsten Tag auszuwählen.
Sich was auszusuchen ist das eine. Doch es sich über Nacht zu merken, das andere. Abgelenkt durch die vielen Behandlungen, Bewegungseinheiten, Vorträge und Gespräche mit Mitkurenden, gerät auch der Denkmuskel ganz schön ins Schwitzen😥
Frage: ist das dann Gehirnjogging?
Zum Glück gibt es am Tag X den Speiseplan am Tisch und der wird unzählige Male herumgereicht, weil die Erinnerung, kurz nach dem Lesen, ans Ausgewählte sogleich wieder verblasst ist.
Da Humor ja bekanntlich der Regenschirm der Weisen ist, können wir darüber herzhaft lachen und das erheitert auch die übrigen Kurgäste. Vermutlich ergeht es denen nicht anders als uns.

Notiz: gutes Essen lässt sowieso alle Sorgen vergessen!

Fortsetzung folgt…

Tag6

…Entspannung AHEU!

während sich die erste Gesundheitsheilverfahrenwoche dem Ende zuneigt, schreit der vom Leben in Mitleidenschaft gezogene Bewegungsapparat täglich lauter um Hilfe und Gnade!
Schulter- und Halswirbelbereich haben sich weitgehend zurückgezogen und warten nun in sich kauernd und völlig verzwickt auf die nächste medizinische und fachkundige Berührung.
Wer nicht gerade an Heu-, Gräser- und Pollenallergien leidet, findet wohltuende Linderung in einem Heusackbad.
Frage: bekommt man dort Heuschnupfen?🤔
Doch Spaß beiseite: das aalen in den warmen Kräutern bringt die leicht angegriffene Wirbelsäule wieder in die korrekte Position und erleichtert die weiteren Wege durch das Gesundheitshotel auf der Suche nach dem nächsten Termin, der auf dem Kur Plan „abgearbeitet“ werden muss.
Auch hier sitzen alle im selben Boot, jeder versucht, pünktlich und korrekt gekleidet im richtigen Raum zu sein, um vom Therapeuten abgeholt werden zu können.
Ohne Kur Plan sieht man hier niemanden. Zu groß das Risiko eines Terminversäumnis und die folgenschweren daraus resultierenden Konsequenzen. Es ist ein geschätztes und gut gehütetes Geschenk, seinen Berufs- und Lebensalltag zu unterbrechen und sich „ausKURieren“ zu dürfen.
Und dann, wenn alle Termine beendet sind, bzw Pause herrscht, dann trifft man sich wieder im Hotelbauch und der Kampf mit dem Mampf beginnt von Neuem.

Notiz: hier haben die besten Ärzte angeHEUert: die Bewegung, die frische Luft, die gesunde Ernährung, die Zeit und die Entspannung!

…Fortsetzung folgt…

Tag7

…Fango corrupti

mit der Entspannung verhält es sich ja wie mit dem Alkohol: Wenn du es nicht kannst, dann lass es.
Entspannen können, Los-lassen können muss in unserer hektischen Zeit also auch gelernt werden. Zum Glück gibt es mittlerweile viele verschiedene Entspannungstechniken und -Methoden, die richtige für sich selbst zu finden, ist das Schwierige an der Sache.
Unter anderem gibt es hier Vorort die Möglichkeit, den wehen Leib, wie schon erwähnt, in Heu zu packen, um ihm Linderung zu verschaffen, aber auch, ihm eine heiße Tracht Fango zu verpassen.
Fango ist eine Art Heilschlamm vulkanischen Ursprungs und wirkt als Packung oder Bad heilend. Dazu sollte man allerdings erwähnen, dass dieses Schlammbad ziemlich warm bzw fast heiß serviert wird, das verschafft ein erstes, etwas unangenehmes Gefühl. Dazu kommt noch, dass man bei der Behandlung eine fast vollständige Körperbeschmutzung in Kauf nehmen muss.
Der Therapeut, der in den hoteleigenen Katakomben über seinem schlammigen Schatz wacht, hat nicht viele Worte übrig für den Patienten, er will lediglich seine Pflicht erfüllen und dem körperlichen Schmerz der Hilfesuchenden ein Ende bereiten.
Nach halbstündlichem Schlammbad, welches durch leise Entspannungsmusik untermalt ist, wird man aus dem Dämmerschlaf gerissen und mit einem Wasserstrahl vom Schlickmantel befreit. Prinzessinnen müssen dabei auch nasses Haar in Kauf nehmen😣doch was tut man nicht alles, um wieder fit zu werden?

Notiz: …und wenn dir der Schlamm bis zum Hals steht, bist du vielleicht einfach nur kleiner als die anderen.

Fortsetzung folgt…

Tag8

Week Enders

Wenn die Woche beendet ist und man selbst, und die lieben Mitkurenden, ohne Therapieplan durchs Haus schlendert, dann ist das Wochenende ins Kurhaus eingezogen.
Im Laufe der folgenden Tage mischen sich dann immer mehr neue unter die bekannten Gesichter und der kurerfahrene Gast weiß, dass das die Besucher der Mitkurenden sind.
Aus dem ursprünglich gebuchten Einzelzimmer wird wie durch Zauberei ein Doppelbettzimmer. Es stimmt also: wer etwas will, findet immer einen Weg😀.
Genauso funktioniert das mit den veränderten Plätzen zu den Essenszeiten beim Kampf mit dem Mampf. Die vertrauten TischgenossInnen werden für die Zeit des Besuchs verlassen und ein lauschiger Zweiertisch darf einem zu eigen genannt werden. Auch hier stellt sich die Frage, wie die guten Hausgeister das bewerkstelligen🤔.
Die kurze gemeinsame Zeit ist kostbar und wird bewusst genutzt. Möglichkeiten gibt es ja zum Glück einige, sei es im hoteleigenen Wellnessbereich, im Kaffeehaus oder auf den unendlich weiten Spazierwegen rund um die Bettenburg.
Wie es nun mal so ist, verrinnt die Zeit während angenehmer Zeitvertreibe immer besonders schnell und so rückt das Abschied nehmen immer näher. Tick. Tack. Tick. Tack.🔜🔚
Selbst wenn man davon ausgeht, den lieben Besuch bald wieder zu sehen, ist das Auseinandergehen nie wirklich angenehm und wird hinausgezögert, so lang es geht. Die Hoffnung bleibt, dass es am nächsten Wochenende ein erneutes Wiedersehen gibt.

Notiz: Verabschieden heißt aber auch, sich auf eine neue Begegnung freuen zu können.

Fortsetzung folgt…

Tag9

Der Wahn mit dem Plan

Seit dem Tag der Ankunft ist der individuell zusammen gestellte Kurplan der ständige treue Begleiter aller Kurenden.
Niemals wird man hier jemanden ohne sehen, denn keiner traut sich ohne ihn aus dem Zimmer🙈.
Auf dem Stück Papier befinden sich lebenserhaltende Maßnahmen der folgenden drei Wochen und da jeder hier nicht nur ÜBERleben, sondern gut leben und den künftig gesunden Alltag ERleben will, wird man das Zurücklassen des heiligen Dokument tunlichst vermeiden.
Bereits am Frühstückstisch werden die beschriebenen Informationen ausgetauscht, verglichen und wenn möglich aufeinander abgestimmt, der Tagesablauf geplant und sich über eventuelle gemeinsame Aktivitäten gefreut.
Und wieder streift der Blick erneut über das bedruckte Stück, sobald man es beiseite gelegt hat-> es erinnert an den Kampf mit dem Mampf!
Da studiert man stundenlang den Planablauf und kaum hat man ihn beiseite gelegt, kurzen Smalltalk geführt, gegessen oder eine Aktivität genossen, ist jegliche Erinnerung an kurz zuvor Gelesenes in einer wagen Erinnerung verblasst. Also nimmt man den Plan wieder zur Hand und beginnt von Neuem mit dem Studium.
Doch zum Glück geht es scheinbar allen so, denn die Körperhaltung und die verräterischen Blicke auf den Kurplan verraten die Interessensgemeinschaftler.
Und dann, wenn um 16 Uhr die letzte Behandlung oder Aktivität beendet ist, dann legt man seinen Kurfahrplan zur Seite und hat seine Hände frei für: eine Tasse Tee, Fenchelsamen, Mariendistelkörner oder das experimentelle Trommeln, denn morgen ist er wieder an deiner Seite, dein papierhafter KurSchatten😎.
Notiz: Müssen macht müde, Wollen macht wach. (Andreas Winter)

Tag10

Wasser marsch!
Wenn jedem das Wasser bis zum Halse steht…hat man vermutlich gerade Wassergymnastik😎.
Eine der begehrteren, weil angenehmen Verordnungen ist die heilsame Wassergymnastik. In kleiner Runde versammeln sich alle Zugeteilten im sympathisch warmen Wasser und starren aufmerksam auf den oder die VorturnerIn am Beckenrand.
Manchmal zur Musik, manchmal zum Wasserrauschen, werden körperformende, rückenstärkende und gelenksschonende Trockenübungen vorgezeigt, und vom im-Wasser-Stehenden versucht, nachzumachen. Die kleineren Menschen unter den Tuenden sichern sich sofort nach dem Pooleinstieg ein Plätzchen im seichteren Bereich, während die großen überall stehen können.
Fast wie beim Bundesheer hallen die messerscharfen Anweisungen durch die Poolanlage und jeder versucht sich irgendwie über Wasser zu halten. Schwierig wird es dann mit diversen Kleinutensilien wie Wassergewichten oder
-nudeln, die die Übungen erschweren sollen. So manch Wasserratte hat ganz schön mit seiner Nudel zu kämpfen, weil diese einfach nicht gehorchen und sich auf- und unter dem Wasser verselbstständigen will. Doch wer schon an Muskeln zugelegt hat, der schafft es dann doch, sein „Teil“ in die korrekte Übungsposition zu drücken😁 und die Bewegung sorgfältig auszuführen.
Leider bekommt man dafür keine Punkte und auch keinen Applaus, es sei denn das Händeklatschen ist Teil einer Unterwasserübung.
Man ist also großteils mit seiner Nudel auf sich selbst gestellt und schafft irgendwie die vorgegebenen 25 Minuten,
um die begehrte Therapeutensignatur auf dem Wahnplan erhalten zu können.
Und wenn der Applaus über Wasser ertönt, dann weiß man, dass die Gymnastik beendet ist und der nächste Kurs besucht werden muss. Also auf ins Zimmer und rein in ein neues, adäquates Outfit.
Fortsetzung folgt…
ERKENNTNIS: auch stille Wasser sind nass!

Tag11

Abspecken an den Stecken

Wenn sich um 8:30 Uhr morgens viele Leute an der Kurhotelrezeption treffen, dann kann das nur zwei Gründe haben: entweder ist Abreisetag oder man ist zum Gruppenwalking eingeteilt.
Zwischen herumschwingenden Stöcken werden Pläne gecheckt, die Hauben und Handschuhe übergezogen und ein möglicher letzter Toilettengang überlegt.
Meist kann man sich zwischen einer gemütlicheren- und einer Turbogruppe entscheiden. Es sei denn der Wahnplan kennt den Fitnesszustand des Besitzers und bestimmt die jeweilige Gruppenzugehörigkeit. Dann muss man in die vorgeschriebene Gruppe. Ob man sich bereit dazu fühlt oder nicht. 🙈
Und dann wartet man auf den Fitnessguru, der die Gruppe anführen wird. Der große Vorteil dieser geführten Gemeinschaftsaktivität ist die Tatsache, dass man durch den oder die ortskundige AnführerIn die Gegend besser kennen lernt und dann für sich, die Runden in der Umgebung ziehen kann.
Und dann startet man los! Die schnellen unter den Stockgehern setzen sich bald in Führung, während die langsameren im hinteren Drittel verbleiben. Der zurück
zulegende Weg ist dennoch für alle gleich lang. Egal ob man vorne oder hinten geht. Diese Erkenntnis nimmt enorm viel vom Zwang, bei den Schnellgehern sein zu wollen.
Bei Weggabelungen müssen auch die Flottwalker einen Zwischenstopp einlegen und beim Trainer nach dem weiteren Weg fragen, also wird „zusammen gewartet“. Das Gänsefüßchen musste jetzt sein, da die einzigen, die sich eine Pause ergattern können, die Vordersten sind. Kaum ist der letzte angekommen, starten die ersten wieder los…dieses Phänomen kann bei allen Gemeinschaftssportarten beobachtet werden, auch sehr beliebt beim Skifahren. Der erste fährt erholt weiter, sobald der letzte beim Pausenstützpunkt angekommen ist *kopfschüttel*.
Beim Kurwalking ist es völlig egal, welche Wetterbedingungen herrschen, das morgendliche Gehprogramm ist ein Fixpunkt im Tagesablauf. Wie heißt es? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.
Einer der Nachteile, bei kaltem Wetter zu walken, ist das häufige Nase-putzen-müssen. Ständig sieht man jemanden mit den Stöcken herumhanteln, in den Taschen wühlen und Tuch anlegen. Und kaum denkt man, man kann wieder frei durchatmen, „ists schon wieder zum schnäuzen“ 🤣.
Nach 60 Minuten per pedes zurück gelegter Zeit kommt man durchtrainerter und mindestens 200g leichter zurück und fühlt sich zwar durchgefroren, aber auch stärker.
Vergessen sind eventuelle Schmerzen, unzählig benutzte Taschentücher und schlechtes Wetter. Der Schrittzähler ist nun ganz nah am täglichen Schrittesoll und den Rest schafft man sowieso locker beim Herumirren in den Kurräumen auf der Suche nach der nächsten Anwendung.
ERKENNTNIS: der Weg vom Bett zur Teetasse zählt noch nicht zur Walkingrunde .

Tag15 Kur interruptus
Wenn man bereits zwei Drittel von seinem gesunden neuen Leben absolviert hat, beginnt sich etwas zu verändern. Die basische Lebensweise ist zu einer Einstellung geworden- ok man hat hier auch keine andere Möglichkeit- aber das Vorhaben, die neue Sichtweise ins alte Leben zu integrieren, eine Tatsache!
Nach zwei Wochen Bettgeflüster, Teefee🧚‍♀️ erwarten, Vollwertkost, Vorträgen lauschen und permanenter Bewegung, ist es mal an der Zeit, kurz an die frische Luft zu gehen, den Kopf aus der Base zu ziehen und ein wenig sauer zu werden. Es muss ja nicht gleich ein Bad in Batteriesäure sein, aber ein Schlückchen Ethanol hat noch keinem geschadet😎.
In der Umgebung gibt es zahlreiche Möglichkeiten und Angebote, sich am Geschmack und Duft der vergorenen Trauben zu erfreuen und dementsprechend wird der Ausgang geplant. Und diesmal kann das Bett rufen, so laut es will. Es gibt Dinge, die muss man nicht hören!
Wer seinen treuesten Gefährten(nicht der Ehepartner sondern der Hund) mit hat, hat zumindest einen guten Grund, eine frühe Heimreise anzutreten, bevor der Geist aus der Flasche zu sehr in den Kopf und in die Glieder fahren würde.
Mit diesem Wissen startet also der mittlerweile erprobte Kurgast in den noch jungen Abend auf der Suche nach einer geeigneten Tränke. Natürlich in illustrer Runde, denn der Mensch ist nicht fürs Alleinsein gemacht, und so wird er auch bald fündig.
Die Gespräche handeln natürlich hauptsächlich von Gesundheit und/oder Krankheit, vom Gefallen oder Nichtgefallen der Kur, der Therapeuten und des Essens und es ist interessant, die verschiedenen Sichtweisen auf ein- und dasselbe Thema zu erfahren.
Wenn dann das erste Gläschen geleert ist, würde sich ein edler Spender für ein weiteres finden, doch man ist vernünftig und kehrt dem „sauren Leben“ den disziplinierten und mittlerweile durchtrainierten Rücken und tritt die Heimreise NATÜRLICH per pedes an. Jede zusätzlich zugeführte Kalorie muss wieder verbrannt werden🏃‍♀️.
Und wenn du dann in deinem basischen Zimmer bist, und im Fernsehen ein basischer Film(alles ohne Aufregungen) läuft, dann weisst du dass du wieder dort bist wo du sein willst.

ERKENNTNIS: ein Leben ohne Wein ist möglich, aber langweilig😁.

Tag20: KurEnde
Da ist sie nun, die ersehnte und auch befürchtete Zeit des KurEnde. Man hat ca 60 Behandlungen genossen, war aktiv und vor allem diszipliniert. In allen Belangen. Hat die basenüberschüssige (Vollwert)Kost (fast) lieben gelernt und die Teefee wurde zum morgendlichen Fixstern der letzten drei Wochen.
Die Tischnachbarinnen entwickelten sich zur Kurfamilie, mit der man Verdauungsthemen, Wassereinlagerungen, Hautirritationen, veränderte Sichtweisen, Mitkurende, basische Lebensweisen und lustige Momente geteilt und besprochen hat.
Die Damen und Herren im Restaurantbereich übernahmen die wichtige Zufuhr der lebenserhaltenden lukullischen Maßnahmen und achteten akribisch darauf, dass jeder gut versorgt war. Und selbst der Küchenchef war für „besondere Sonderwünsche“ an bestimmten Tischen offen.
So manch Therapeut fungierte hie und da als Grabstein für diverse körperliche und/oder seelische Wehwechen und verabreichte imaginäre und echte (Trost)Pflaster. Ihre angewandten Körpergüsse und -wickel konnten zwar keine Wunder bewirken, doch so manch Hautunebenheit verschwand nach der Auflegung wie durch Zauberhand😀🤔.
In der Kraft- und Ausdauersportkammer wurde literweise Schweiß hinterlassen, das Desinfektionsmittel benutzt wie das tägliche Deodorant.
Manch Physiotherapeut schaffte es in seinen Stunden, längst vergessene Muskeln herauszuarbeiten und zu dehnen und das „Faszientraining“ wurde zum neuen „Kurwort“. Es soll hier Menschen gegeben haben, die grün und blau gefärbt aus so einem Training kamen, rechtzeitig zur Osterzeit!
Die Badeoase wurde zur beliebten und ersehnten Chilloutzone nach den Therapien, und so manch lustiges Grüppchen sorgte für zusätzlichen Spaß durch das Tragen von Duschhauben im Indoorbereich. An dieser Stelle sei der eine oder andere (zu laute) Lachkrampf ent-spannter KurgästInnen zu entschuldigen, aber Lachen ist nun mal die beste Medizin.
Der Wahn mit dem Plan hielt bis zum Schluss, kaum zu glauben dass durch das ständige daraufschauen niemand ein Schleudertrauma erlitten hat🤔.
Den Damen und Herren an der Rezeption sei gedankt für ihr ständig offenes Ohr sämtlicher Anliegen der Kurgäste, viel hatten sie mit den Kurenden zu tun um deren wichtige Fragen zu beantworten und sich um deren Wohlergehen zu kümmern. Egal ob ein zweiter Polster den wichtigen Schlaf verbessern konnte oder der Stöpsel im Waschbecken fehlte, Hilfe war sofort zur Stelle.
Zurückblickend lässt sich sagen, dass diese drei Gesundheitswochen des Ausstiegs wesentlich zur Genesung bzw. Wiederherstellung seiner geistigen, seelischen und körperlichen Gesundheit beitragen KÖNNEN, wenn man sie ERNST NIMMT und nachhaltig zumindest kleine Rädchen im Lebenskreis verändert.
Ich bin ziemlich sicher, dass die Mehrheit der Kurgäste mit ganz vielen schönen Erinnerungen und neuen Erkenntnissen nach Hause fährt und nur die besten Vorsätze hat. Mögen sie so lang als möglich anhalten!

ERKENNTNIS: gute Zeiten
+ verrückte Menschen
= schöne Erinnerungen

Auf den Hund gekommen

Die Gedanken kreisen lange, Vor- und Nachteile werden abgewogen, Gründe dafür und natürlich dagegen gesucht und gefunden.
Ist man überhaupt bereit dazu? Hat man sein Leben bisher genutzt? Oder gibt es noch etwas das unbedingt „vorher“ noch erledigt werden sollte? Kann man sich die „Anschaffung“ leisten? Ist das Haus, der Garten, das Auto sicher und groß genug? Ist jederzeit Auslauf möglich? Hat man genügend Zeit?
Wer wird die Erziehung, das Sauberwerden, das Füttern und Spazierengehen übernehmen? Und ganz wichtig: was soll es werden? Männchen oder Weibchen? Rasse? Der Zuwachs soll ja zu seinen Menschen passen! Das sind essenzielle Fragen bevor man sich auf das ‚große Wunder‘ einlässt.
Es müssen Ratgeber gelesen, die möglichen Babysitter organisiert und eine geeignete Urlaubsresidenz gefunden werden. Unvorbereitet könnte ‚der Erwerb‘ in einem Riesendesaster enden. Und dabei soll er doch das Leben bereichern, eine Begleitung durchs Leben sein, der künftig beste Freund werden!

Nein, liebe LeserIn, die Rede ist nicht von menschlichem Nachwuchs, sondern von einem Hundewelpen.

Sie sehen, wenn man die Sache ernst nimmt, sollte man sich recht ähnliche Gedanken wie über ein Baby machen, damit man dann nicht überfordert vor den Trümmern seiner wunderbar ausgemalten Zukunft steht.
Während man als Mensch zu den Glücklichen  gehört, die selbst ihrem Abkömmling das Leben schenken können, ist es als künftiger Hundebesitzer die erste wesentliche Aufgabe, sich einen ehrlichen und seriösen Hundezüchter zu suchen. Ich finde es als unsere Pflicht, dubiose und widerliche Kreaturen, die Hunde nur für Zuchtzwecke als Wurfmaschinen missbrauchen, nie und nimmer zu unterstützen, nein, ihnen sogar nach Möglichkeit, das Handwerk zu legen! Auch wenn diese Hunde um ein Wesentliches günstiger sind, Hände weg von diesem Scheusal an unseren Lieblingen!

Hat man also einen vertrauenswürdigen Züchter gefunden, wird man schnellstmöglich ein Zusammentreffen mit dem möglichen Zuwachs vereinbaren. Und glauben Sie mir: sie werden das Gelände ’nicht ohne ihren Hund‘ verlassen wollen.
Witzigerweise erzählen durchwegs alle Hundebesitzer, dass das Kennenlernen mit dem winzigen Vierbeiner „Liebe auf den ersten Blick“ und „vorbestimmt“ war. Auch ich „weiß“, dass die Zusammenführung mit unserer Hündin gelenkt war und es so sein sollte.
Wenn Sie das große Glück haben, dass ihr künftiger Hund schon das entsprechende Mitnehmalter hat, dann wird es so sein, dass sich die Zahl der Passagiere in ihrem Fahrzeug bei der Heimreise um mindestens EINEN erhöht hat. Denn ‚zufällig‘ hat man zum Besuch ja eine Transportbox inklusive Kuscheldecke mitgenommen. Sicher ist sicher!
Ich kann mich gut daran erinnern, dass wir unsagbar glücklich waren, dass unsere Fenja weder beim Heimfahren im Auto, noch zuhause nach ihrer eben verlassenen Familie geweint hat. Ich hatte in der Anschaffungsphase oft von heulenden und wimmernden Hundenkindern gelesen, die bis zu drei Tage ihre Mama und Geschwister suchten.
Und zuhause angekommen beginnt dann das neue große Abenteuer mit dem kleinen, hilflosen und von uns Menschen abhängigen Geschöpf.
Die nachfolgend notwendige Erziehung beginnt am ersten Tag und deren Früchte trägt man, wenn der Hund in seine Jahre kommt. Aus der quirligen, aufgeregten, neugierigen und lebenshungrigen Spürnase wird, neben der eigenen, sich verändernden Persönlichkeit, ein ruhiger, besonnener und erfahrener Gefährte, der dich besser kennt als du dich selbst. Ich habe es nicht geglaubt, doch es ist wahrhaftig so. Unser bester Freund tut doch nichts anderes, als uns von früh bis spät zu beobachten.

Notiz: Egal, welchen Namen man sich für seinen neuen Mitbewohner ausgesucht hat, im ersten Jahr ist dieser sowieso „NEIN“😀!

Spaziergänge werden mit einer Fellnase(warum der Hund so heißt,  weiß ich nicht, da die Nase eine der wenigen Stellen ist, die Fell frei ist🤡) beinahe jedes Mal zu einem kleinen Abenteuer, zumindest aber zu einem notwendigen Fixpunkt im Tagesablauf und ist solo nicht mehr vorstellbar.
Wenn der Hund jung ist, ist jede Pflanze und jeder Holzscheit aufregend und wird zur Showbühne (im übrigen werden auch Wohnungsmöbel und sämtliches Interieur zur Hunderampe umgebaut wenn das Wetter zum Gassi gehen zu schlecht ist – und ja, ich stehe dazu, dass das bei uns der Fall ist und war).    Wenn der Hund dann älter wird, sind ganz einfache Wald- und Wiesenläufe möglich, ohne dass man als Halter gleich das Gefühl hat, den Hund zu wenig gefordert zu haben. Ein Hoch auf das Alter, denn es bringt die gelobte Gelassenheit mit sich. Sowohl beim Hund als auch beim Herrn!
Kuschelstunden stehen an der Tagesordnung und die Couch kann sehr wohl mit dem Vierbeiner geteilt werden wenn: A) die Pfoten und der Hund als ganzes sauber sind und: B) der Gehorsam gegeben ist, und das durchgehend, nicht nur wenn es dem Hund genehm ist. Genauso kann man es mit der Bettnutzung halten.
Krank sein hat jetzt eine völlig neue Bedeutung: es gibt keinen besseren Krankenpfleger als einen Hund. Er lässt dich keine Minute allein und steht jede Krankheit mit dir durch!
Genauso steht es mit dem Gesundheitsheilverfahren. Es gibt in Österreich tatsächlich Kurhotels, in die der befellte Gefährte mit darf. Natürlich sind der Speisesaal, der Nassbereich oder die medizinischen Räume tabu für die Hundepfoten, doch allein schon die Gewissheit, dass dein Hund im Zimmer auf dich wartet, ist ein zusätzlicher positiver Genesungsgrund.
Und egal, wie lange du außer Haus oder Zimmer bist, er freut sich immer dich zu sehen. Doch Vorsicht vor anspringenden Hunden bei der Rückkehr. Das ist keine Freude sondern eher die Maßregelung: „Warum hast du mich nicht mitgenommen“ bzw. „Wo warst du so lange?“.
Hat sich ein Hund dieses Verhalten angewöhnt, sollte man sich generell das Rollenverhältnis zuhause ansehen.
Notiz: ein Hund kennt keine Demokratie. Er ist nur an Hierarchie interessiert.
Und wenn der Mensch die Führung nicht übernimmt, wird es der Hund tun. Ein schönes Zusammenleben ist dann allerdings nicht zu erwarten.

Die Frage ob man jemals einen Hund haben sollte, kann nicht allgemein beantwortet werden. Es gibt sicher genug Menschen, die der Hundehaltung nichts abgewinnen können. Die sollten es dann auch lieber lassen, sich in die Verantwortung zu begeben. Diejenigen die sich sehnlichst einen wünschen, sollten sich in jede Richtung ausreichend erkundigen und sämtliche Für- und Wider abwägen, sonst enden solche Verbindungen böse. Und das leider meist für das Tier.

Ob ich, nach dem unvermeidlichen Gehen unserer Hündin, jemals wieder die bedingungslose Liebe zu einem Hund finden werde, ist fraglich. Doch ich schließe es nicht aus, dass mich nochmal der Fellblitz trifft. Und dann beginnt der Hundezirkus eben von vorne😎.

Notiz an mich selber: Das Haus wäre ohne Hund sicher sauberer, der Alltag manchmal leichter zu gestalten, die Arbeit weniger, aber das Leben leerer.

Traumfänger

Wie ist das so mit unseren Träumen? Hat jeder einen und braucht man sowas? Was, wenn sich der Traum nicht erfüllt, weil es das Leben und seine Umstände nicht erlauben? Ist man dann nicht deprimiert und desillusioniert? Sollte man das träumen dann nicht lieber gleich lassen?
Doch was, wenn man in der glücklichen Lage wäre, sich seinen Traum zu erfüllen? Oder jemand anderer erfüllt ihn!
Klingt unglaubwürdig, ich weiß! Dennoch glaube oder besser gesagt weiß  ich, dass es sowas gibt. Selbst erlebt!

Wenn man jung ist, hat man viele Vorstellungen vom Leben. Nichts schreckt einen ab, alles ist (scheinbar) möglich, Angst ist ein Fremdwort. Zu der Zeit sind wir also noch „Erreicher“. Wann genau werden wir zu „Vermeidern“? Ist es das Alter, oder die Erfahrung dass „soviel“ passieren kann, oder ist es der Alltag der uns träge, ängstlich und faul macht? Vielleicht ein Potpourrie aus allem.

Und doch gibt es da diesen einen Wunsch, diesen Traum, den man ständig in seinem Körper, in seinen Gedanken spürt und der manchmal lauter oder leiser nach Erfüllung schreit. Kann sein, dass man den Ruf mal eine zeitlang gar nicht hört, dennoch weiß man, dass er da ist.
Hören wir nicht weg! Er will uns etwas sagen. Um die Antwort zu bekommen, müssen wir uns selbst ernst nehmen.
Immer wieder stoßen wir in unseren Vorhaben auf Widerstände, manchmal clever getarnt als „gut gemeinte“ Tipps von lieben Menschen, die nur unser Bestes wollen!
Nein, das soll keine Ironie sein, das ist bestimmt die Wahrheit. Nur vergessen wir nicht: es sind die Grenzen desjenigen, der sie zieht und nicht deine!
„Das geht nicht!“ sagten sie. Doch dann kam einer, der wusste das nicht und hats einfach gemacht!
Einer meiner Lieblingssprüche. Weil er stimmt!
Lassen wir uns in der Durchsetzung unserer Träume keine Grenzen aufzwingen, die nur für andere sichtbar sind. Probieren wir doch einfach aus und hinterher können wir aus Erfahrung gelernt haben. Nicht alle Träume sind an Reichtum oder viel-Geld-zur-Verfügung-haben gebunden. Es kommt halt auf den Traum an. The best things in life are free!

Es stimmt schon, dass alles im Leben seine Zeit hat und braucht. Manchmal ist es besser, abzuwarten und das Leben in seinem Tempo „arbeiten“ zu lassen. Dennoch sollten wir aber unsere innere Stimme nicht überhören und an unseren Träumen dran bleiben. Denn es kann passieren, dass eines Tages alle Zeichen auf „Erfüllung“ stehen und wenn dieser Tag nicht am Schopf gepackt wird, könnte es sein, dass er nie wieder kommt.

Eine gute Freundin ist der festen Überzeugung, dass man zu seinem Glück nichts tun muss, da alles vom Leben selbst erzeugt wird. Sie sagt, dass alles so kommt wie es sein soll. JEIN! Ich glaube auch, dass vieles unbeeinflussbar ist und geschehen soll, nur denke ich, dass man die Chancen die man bekommt ergreifen sollte um seinen Träumen die Erfüllung zu ermöglichen. Denn demnach schickt ja dann auch „das Leben“ die Chance. Wenn man von einer Reise träumt und nicht weiss ob man sie tatsächlich buchen soll – denn Gründe dagegen gibt es immer – dann muss ich selbst tätig werden, denn hier wird das Leben nicht die „ENTER“ Taste drücken um die Buchung abzuschließen oder mich ins Reisebüro tragen. Irre ich mich? Nun, zu diesem „überirdischen“ Thema hat sicher jeder seine eigene Meinung und das ist gut so!

Manchmal dauert es ein halbes Leben, seinen innigsten Wunsch zu erfüllen, oder sich erfüllen zu können. Na und? Was zählt, ist die Tatsache dass es möglich ist und es geschehen kann! Verlieren wir nie die Hoffnung! Und den Blick für den richtigen Zeitpunkt!
JA, ich bin überzeugt dass es den (richtigen Zeitpunkt) gibt! Für vieles im Leben!
Manchmal ändert sich der einst scheinbar wichtigste Wunsch und wird unwichtig oder verschwindet gar. Auch ok! Dann war er vielleicht doch kein Lebenstraum.

Notiz an mich selbst: „Tu es oder lass es, aber heul nicht!“

 

Wintersommer

Kennen sie den kleinen Urlaub? Das ist der Bruder vom großen.

In Österreich früher „Energieferien“ genannt, unterbricht er(der kleine Urlaub) für sieben Tage den Schul- und Kindergartenalltag und somit das tägliche Tätigungsfeld. Das Wort kommt daher, weil man zu jener Zeit die Schulen nicht beheizt hat und die Golfstaaten kein Öl lieferten. Heute nennt sich die kurze Auszeit „Semesterferien“ und läutet die letzte Halbzeit eines Schul- und Kindergartenjahres ein. Inklusive Zeugnisübersicht zwecks Leistungsüberprüfung😐.

Klingt nach wenig nutzbarer Zeit, bringt aber enorm viel, vor allem, wenn man die Möglichkeit hat, den heimatlichen Boden zu verlassen und ferne Gefilde bereisen kann. Und ja, selbst für sieben Tage ist der Einstieg in ein Flugzeug nicht umsonst, denn in vier- bis sechs Stunden ist man der Sonne vermutlich näher als sogar daheim im Sommer! Allein die gesundheitliche Komponente muss beachtet werden. Eine Hochdosis an natürlichem Vitamin D, mitten im Winter, hat noch keinem geschadet, im Gegenteil! Denken sie daran, wenn sie ihr nächstes Reiseziel wählen.

Unser kleiner Urlaub wohnte also in den Vereinigten Arabischen Emiraten, genauer gesagt in der Hauptstadt Abu Dhabi.
Das tolle Hotel in Strandlage, fernab vom umtriebigen persischen Business, enttäuschte uns in keinem einzigen Bereich. Mögliche, doch noch offene Wünsche schafften es nicht mal ins entspannte Bewusstsein, da diese direkt im Keim erstickt wurden.
Egal, ob bei den Hauptmahlzeiten im Restaurant, beim Poolservice in der wunderbar großflächig angelegten Badelandschaft oder beim nutzbaren Zimmerservice, so nach dem Motto: „Sag was du möchtest, wir besorgen es dir!“
Der neun Kilometer lange Naturstrand direkt vor unseren Nasen, lud zum ausgiebigen Flanieren oder einem entschlossenen frühmorgendlichen Powerwalk. Der Angetraute und ich schafften es zwar nicht zu früher Stunde, jedoch täglich nach dem Frühstück, mit festem Fuße über den fast weißen, nicht klebrigen Sand zu trampeln.
Das windige, eher kühle Wetter schreckte uns am Ankunftstag etwas ab, wobei die Hoffnung in eine erstmals mögliche zutreffende Wetterappprognose zuletzt sterben sollte. Und es wurde wie prophezeit: täglich wärmer und windstiller! Besonders tagsüber zeigte der Fixstern seine ganze Kraft und schickte ungetrübten Sonnenschein auf unsere Insel, die von türkis-blauem Meer umspült wurde. Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen man wäre optisch in der Karibik oder auf den Malediven.
Die gesamte Hotelanlage war von auffallend penibler Sauberkeit, wobei man während der Aufenthaltszeit kein einziges Heinzelmännchen beim Fegen entdecken konnte. Ich bin der Meinung, dass der Putztrupp sein Geheimnis weiterhin gut bewahren darf!
Doch nicht nur mit einem blitzsauberen Hotel kann das Land aufwarten.
Vermutlich wussten Sie, dass sich hier das (noch) höchste Gebäude der Welt befindet.
Der BURJ KHALIFA ist ein Wolkenkratzer der als Hotel, Büros und fürs wohnen genutzt wird. Er ist 828m hoch, hat 25 Aufzüge und wurde von 2004 bis 2010 erbaut. Wir brauchten für 124 Stockwerke nicht mal EINE MINUTE mit diesem Highspeed-Lift!
Die Aussicht ist natürlich ein Wahnsinn, doch höhenängstlich sollte man besser nicht sein. So manch einer hat schon gedacht, der Burj bewegt sich 🤔.
Das Hinabfahren funktioniert mindestens so schnell wie das Auffahren gen Himmel, und ich empfand es als beruhigend, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Es dauerte ein wenig, bis der Untergrund nicht mehr schaukelte, wie mein geliebtes Boot in Kroatien(www.isis-schreibstube.at/bootstauglich).
Apropos Meer: ein Besuch im beeindruckenden Aquarium in der DUBAI MALL lohnt sich auch, wenn man hier zu Besuch ist. Haie, Rochen, Nemos(Clownfisch), Krokodile, Riesenkrebse, Chamäleons, Spinnen, Pinguine und viele andere Tiere haben hier ihre neue Heimat gefunden und ertragen geduldig die aufgeregten und wissbegierigen Blicke der neugierigen Touris.
Aus den schicken, für Normalsterbliche unleistbaren Nobelstores, die man in der 350.000m2 großen Mall findet, möchte man am liebsten viele kleine und große Präsente für sich und seine Liebsten einpacken. Ein Blick auf den Preis erübrigt jede weitere Diskussion 😣.
Der krönende Abschluss dieses ereignisreichen Tages ist ein Wasserspektakel, die DUBAI FOUNTAINS.
Zu jeder halben und vollen Stunde spritzen Wasserfontänen, in Licht getaucht und durch Musik untermalt, in den Nachthimmel, gefolgt vom Raunen der Zuseher und Applaus zum Ende der Show. Danach sind wir eingehüllt in ein Netz aus Millionen Wasserperlen.
Hätten wir einen Schrittzähler mitgehabt, wäre er vermutlich an seine technischen Grenzen gestoßen, und wir freuen uns auf die Rückkehr in unser Hotel.

Das Leben ist ein Rendezvous mit sich selbst und mit seinen Freunden.
All die wunderbaren Eindrücke wären ja nur halb so wertvoll, wenn wir sie nicht teilen könnten.
Deshalb danke an Julia und Emily, dass sie mit uns diesen Urlaub verbracht haben, ihr wart tolle Reisebegleiterinnen!

Notiz an mich selbst: gebräunte Haut wiegt drei Kilo mehr!
O-Ton Julia: weiße aber auch…😎

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