Autor: Isabell_Tuechler (Seite 1 von 5)

Feier Tage

Zum ersten Mal seit langem musste ich mir die Frage stellen, wie geht Geburtstag? Zumindest zuhause?
Was komisch klingt, ist eine ernstgemeinte Frage. Wenn man jahrelang seinen Geburtstag nicht in heimatlichen Gefilden und nur als Zweispänner verbringt, verlernt man das 😂!
Wenn Gewohnheiten in die Jahre kommen, ist es eine echte Herausforderung, wieder auf alte, fast vergessene, aber dennoch vorhandene Pfade zurück zu finden.
Um seinen Geburtstag zu feiern, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Manche machen eine Riesenparty daraus, andere feiern eher bescheiden im kleinsten Kreis, und wieder andere verschweigen oder umgehen ihn in der Hoffnung, dass das Leben das Dazuzählen eines weiteren Lebensjahres ebenso vergisst. Klappt aber nicht, soviel sei gesagt😁.
Geburtstage kennzeichnen den Jahrestag der Geburt und wiederholen sich behende bis zum biblischen Ende.
In unserem Kultur- und Brauchtumskreis ist es Tradition, das Geburtstagskind zu beschenken, vorzugsweise mit Präsenten, die sich gewünscht wurden oder von denen man annimmt, dass diese Freude bereiten könnten. Schenken ist das Wagnis, etwas von sich herzugeben und Danken heisst, mit dem Herzen denken! Beides trifft besonders an Geburtstagen zu.
Oft ist es ja so, dass sich der oder die Schenkenden mehr freuen als der zu Beschenkende(ich zähle dazu), die Gratulanten finden sich voller Freude zum Stelldichein zusammen und gröhlen freudestrahlend ein traditionelles Häppy Börsday ins beanspruchte Geburtstagsohr.
Früher war es oft Brauch, den Jubilar an seinem Ehrentag überraschend zu besuchen und mit ihm zu feiern. Im Grunde ging es darum, gemeinsam Zeit zu verbringen, zu essen und noch mehr zu trinken und um später nach Hause zu wanken und sich über nette Menschen und Gespräche zu freuen.
In Zeiten von Internet und Whatsapp haben diese Traditionen nachgelassen. Bevor man sich heute besucht, begibt man sich auf Social Media in Wettkämpfe darüber, wer als erster gratuliert und ist darauf auch noch stolz, wenn man kurz nach Mitternacht erstens noch wach und zweitens noch immer oder schon wieder in den sozialen Netzwerken unterwegs ist. Zugute muss man den Plattformen allerdings halten, dass man an jeden Geburtstag erinnert wird, ob man will oder nicht. Zum Gratulierenvergessen gibt es heute kaum mehr einen Grund. Und keine Ausrede.
Auffallend ist jedoch, dass es anscheinend wieder einen Trend zum Anruf gibt. Ich zum Beispiel habe heuer so viele persönliche Glückwünsche über Telefon bekommen wie lange nicht mehr.
Während man sämtliche (Privat)Korrespondenzen über Textnachrichten absolviert, ist das Telefonat heute schon beinahe eine außerirdische Seltenheit. Doch zum Glück gibts eben Geburtstage, an denen man sich dann anruft und ein paar nette Worte wechselt, das Jahr Revue passieren lässt, Neuigkeiten austauscht und über das Wetter plauscht.
Und wenn man sich dann mit Konfetti und Sternenspritzer an deine Geburt erinnert, dann ist das im Grunde das schönste Geschenk. Und das Leuchten in den Augen der Schenkenden zeigt, dass sie einen gern beschenken und dann ist man für einen Moment unendlich dankbar und wunschlos glücklich über den GeburtsTAG.

Notiz: älter werden ist die einzige Möglichkeit, länger zu leben!

Auszüge aus dem Reisetagebuch.

Schiff Schaukel.

Es gibt Morgen, in die die ganze Welt hinein zu passen scheint. So einen Morgen kann man nutzen, und auf eine Schiffsreise gehen. Wenn man möchte. Was einfach klingt, ist jedoch zum Teil mit Strapazen verbunden. Zumindest wenn man keinen europäischen Abfahrtshafen auswählt. Jede Reise beginnt mit Warten. Zunächst mit Warten auf den Reisebeginn. Oft bucht man schon sehr lange zuvor, dann ist das Warten umso länger, die Vorfreude allerdings auch. Tritt man dann endlich seine Reise an, wartet man entweder auf das Taxi, den Zug oder das Flugzeug. Sitzt man dann endlich im Transportmittel, wartet man darauf, dass dieses einen zum Reiseziel bringt. Das kann mitunter viele, viele Stunden, ja sogar Tage dauern, je nachdem, WO sich das Ziel befindet. Ist man dann am Ziel, wartet man auf sein Gepäck, das hoffentlich mitgereist ist. Falls Sie sich jetzt fragen, warum es denn anders sein sollte, lassen Sie mich aus eigener, trauriger Erfahrung behaupten, dass es weder sicher noch selbstverständlich ist, den Koffer zu erwarten, sondern Glück! Wir gehen also davon aus, dass alle Reiseteilnehmer, inklusive Gepäck, am Zielort eingetroffen sind, dann beginnt eigentlich erst der echte Urlaub, die freie Zeit. In den letzten Jahren erlebe ich immer mehr, die eingangs erwähnte Kreuzfahrt als bevorzugte Reiseart. Man sieht viel, kommt viel herum und hat trotzdem seinen gewohnten Wohnluxus. Daheim bin ich da, wo ich mein Glätteisen anstecken kann. Aber im Ernst: bei einer Schiffsreise hat man wirklich alles, was man braucht und noch vieles mehr, man lebt während des Urlaubs in einer schwimmenden Stadt. Dutzende Restaurants, Freizeitangebote, Einkaufsmöglichkeiten, Theater, Casino und vieles mehr laden zum entspannten Reisen ein. Man glaubt ja nicht, wo in den abgelegensten Ecken des Schiffs sich Menschen herumtreiben, denn ständig gibt es Beschäftigung. Auch Sport, Schönheit und Entspannung gilt es jederzeit an Bord zu nutzen. Und wenn man dann mal das Schiff verlassen will, steigt man im nächsten Hafen aus und erkundet dort Land und Leute. Es ist wirklich ein Vergnügen, auf diese Art zu reisen. Ich bin jedes Mal fasziniert von der logistischen Meisterleistung, die hinter so einer Kreuzfahrt steht, den tausend Händen, die Großes vollbringen und den Passagieren jeden erfüllbaren Wunsch von den Augen ablesen. Auch die Organisation der Ausflüge, das Ein- und Auschecken, die Abendangebote, die künstlerischen Attraktionen, die Stars, die teilweise auf diesen Kreuzfahrten dabei sind und auftreten, es ist wirklich so gut wie an alles gedacht. Vermutlich wird es jetzt Leute geben, für die wäre genau dieses Reisen der komplette Alptraum und nicht vorstellbar, auch verständlich, nur wer kein Abenteurer ist und so viel wie möglich in relativ kurzer Zeit sehen will, der kann sich ja diese Form des Reisens überlegen und auf seine „Werd-ich-vielleicht-mal-do-liste“ schreiben. Der einzige Grund, warum Sie lieber nicht an Bord gehen sollten, ist, wenn sie seekrank werden sollten. Denn dann wird das keine „Kreuzfahrt ins Glück“, sondern ein Höllentrip auf Wellen.

Sie sehen schon, mich hat das Kreuzfahrtfieber gepackt und gegen diese Krankheit braucht es keine Medikamente.

Sun of Jamaica

Wenn man sich für eine Reise auf dem Meer entscheidet, hat man die Möglichkeit, vieleverschiedene Häfen inklusive der dazugehörigen Länder zu befahren und zu erkunden.Dies kann man einerseits auf eigene Faust oder durch organisierte Ausflüge tun. Auf keineandere Art und Weise kann man den Wohnluxus einer schwimmenden Stadt UND daskosmopolitische Reiseleben so gezielt vereinen wie bei dieser Urlaubsweise. Das ist einer derGründe, warum ich Kreuzfahren mittlerweile so liebe. Du steigst in einem Hafen der Welt ein undwährend du an deinem Kopfkissen lauschst, fährst du bereits im nächsten Hafen wieder ein. Dafür nimmst du das zeitige Aufstehen gerne in Kauf. So wie für den Besuch auf der Insel Jamaika, genauer gesagt in Ochos Rios, was „die AchtFlüsse“ bedeutet. Jamaika hat insgesamt 120 Flüsse, mit guter Wasserqualität, Schiffe holensich von hier ihr Trinkwasser. Die regelmäßigen Niederschläge verschaffen der drittgrößtenInsel der Karibik eine üppige, grüne Vegetation, man hat das Gefühl, vor einer „grünen Wand“ zustehen. Keine Überraschung also, dass Filme wie „die blaue Lagune“ oder „Cocktail“ hier ohnenötige Requisiten gedreht wurden. Obwohl Jamaika zu den dritte-Welt-Ländern zählt, gibt es hier Müllabfuhr und das Land wirkt zumindest relativ sauber. Wussten Sie, dass Erol Flynn, bekannt aus Degen- und Piratenfilmen hier eine kleine Insel sein Eigentum nennen durfte, genauso wie Schriftsteller, darunter der Erfinder der „James Bond“Filme? Das Haus des Autors hieß übrigens „Golden eye“, was einiges erklärt. Wer hierher in den östlichen Teil der Trauminsel kommt, der entscheidet sich vermutlich bewusst GEGEN den Massentourismus. Den sucht man hier, im niederschlagsreicheren Gebiet nämlich vergeblich. Sollten Sie jemals hierher reisen, besuchen Sie bitte das Kleinod „Frenchman’s Cove“, ein wahrer Augenschmaus und „Optic place“. Hier fließt ein Fluss direkt ins türkisfarbene Meer, umgeben von Magroven, Lianen und schreienden Vögeln, inklusive klarer Sicht aufs weite Meer und den Horizont. Ich versichere Ihnen, Sie werden dieses Fleckchen Erde nie mehr vergessen. Es lohnt sich wirklich, von ausgetretenen Pfaden zu weichen und (fast) eigene Wege zu gehen, ungeahnte Paradiese warten auf uns, abseits der gängigen Ausflugsziele.

Notiz: überprüfen Sie beim Verlassen der Insel ihr Handgepäck, es könnte sein, dass Sie ihr Herzzurückgelassen haben.

Mo Bay/Jamaica

Ein weiterer Zielhafen in Jamaica könnte Montego Bay, kurz: Mo Bay, sein, mit einem möglichen Besuch in Negril. Während man im Osten der Insel eher vergeblich nach Touristenkollegen sucht, ist man hier als Fremder nicht allein. Der Süden des Landes ist ein begehrtes Urlaubsziel: wetterstabiler, sauberer und für die ausländischen Besucher optisch fein zurecht gemacht. Was die Bewohner des Landes ausmacht, ist ihre positive Lebenseinstellung, ihr Frohmut und das „easy going“. Niemand stresst sich hier und das Motto lautet: „soon coming“. Natürlich hat auch Jamaika, so wie alle anderen Länder auch, Probleme, die es zu lösen gilt, doch ob diese in zehn Minuten, zehn Stunden oder zehn Jahren gelöst werden, ist nicht wichtig. Regen gibt es hier nicht, nur „liquid sunshine“, wie der tägliche Niederschlag genannt wird. Zu sehr schätzen ihn die Einheimischen als letztendlich wertvollen Nahrungsspender. Die Nationalfarben der Insel sind die Farben Schwarz für Jamaikas Sklavenvergangenheit, Grün für die Natur und Gelb für den Sonnenschein. In den Jamaikanern vereinen sich so gut wie alle Völker der Erde und jeder hat etwas zurück gelassen. Seien es einzelne Begriffe aus Deutschland, das Curry und das Gansha(Marihuana) aus Indien oder die scharfen Gewürze aus Afrika. So gesehen ist in Jamaika fast die ganze Welt vereint. Vielleicht findet man deshalb hierso viele Frohnaturen. Oder es liegt am Übermaß an Vitamin D. Das Nationalgericht ist das legende „Jerk“. Scharf gewürztes, gegrilltes Fleisch. Jerk Chicken sollte man hier auf jeden Fall probieren. Witzigerweise raucht hier ein Großteil der Menschen, obwohl Zigaretten sehr teuer sind, ein Päckchen kostet mittlerweile zehn US Dollar. Dreimal darf man raten, was stattdessen hier inhaliert wird. Drogenkonsum ist übrigens verboten und wird hart bestraft. Besonders bei Touristen. Fast weiß sind die Strände hier und treffen auf türkises Wasser, das den Sand umspült. Es ist herrlich, zu genießen und die Gedanken zu Schrift zu bringen. Apropos: die Amtssprache in Jamaika ist „Queen English“, das wird auch in den Schulen unterrichtet. Das, was auf der Straße gesprochen wird, ist ein eigener Dialekt, Patwa, der sich während der Sklaverei entwickelt hat, damit sich alle miteinander verständigen konnten. Dieser besteht nur aus einzelnen Worten, ohne Grammatik oder Zeiten. Lustigerweise setzt sich dieSprache aus afrikanischen, spanischen, englischen und einzelnen deutschen Wörtern zusammen. Alles und jeder hat einen Spitznamen. Nicht mal ausländische Einwanderer, die mehr als zehn Jahre hier leben, verstehen diesen Dialekt. Mit unserem guten alten Schulenglisch kommt man allerdings hier gut über die Runden.

Apropos „sun of Jamaica“: die ist gerade flüssig geworden und die Schreibstube beendet ihr Vergnügen, denn so weit, sich über den Regen zu freuen, ist sie leider noch nicht.

Notiz an mich selber: wenn Gott tatsächlich unter uns ist, dann lebt er sicher hier in Jamaika. Als Rastafari, Yahmon!

Saona/ Dominikanische Republik

Es heisst, die Insel SAONA sei die schönste Insel der Karibik. Nun, das könnte stimmen, denn ich war da und hab es gesehen. Ein Traum von einem Fleckchen Erde. Helltürkis das Wasser, weiß der Sand auf der Insel, bestückt mit Palmenhainen. Man landet über dem Wasserweg in Santo Domingo und fährt von dort nach Bayahibe. Dort angekommen, kann man sich in ein Speedboot setzen und sich auf die Insel bringen lassen. Das facelift ist dabei gratis inkludiert, die neue Frisur ebenso. Schon bei der Überfahrt sieht man, dass man es ins Paradies geschafft hat und das bei lebendigem Leibe. Die Fahrt stoppt in einem kleinen Fischerdorf, das von zwei Brüdern in den 80ern gegründet wurde. Größte Errungenschaft: der Strom auf der Insel. Und dieSchildkrötenfarm. Ein Fischer und seine Familie kümmern sich um abgelegte Eier, sammelnsie ein und brüten sie aus. Dadurch konnte die Zahl der Schildis von 15 auf 75 lebende Tieregesteigert werden. Die Einnahmen auf der Insel werden für die Pflege verwendet und so kanndas Projekt am Leben erhalten bleiben. Eine tolle Sache!Danach geht es weiter mit dem Speedboot zum Sonnen- und Wasserbaden auf der Insel. Ein Spiel aus Licht und Schatten, das da vor deinen Augen passiert und du bist kurz am überlegen, ob du jemals etwas Vergleichbares gesehen hast. Das Wasser lädt zum Verweilen ein, weil es so warm ist und öffnet seine Tiefe und Weite mit seiner Klarheit für dich. Schade, dass man diese Momente nicht einfrieren und mitnehmen kann. Nach ausgiebigem Planschen geht es weiter zu einer der Insel vorgelagerten Sandbank, die wie für eine Rast gemacht scheint. Die Wassertiefe beträgt ca. 50 cm und so mancher, der das beim Sprung hinein nicht bedacht hat, hat sich schon verletzt. Eisgekühlte Getränke werden in einer schwimmenden Bar serviert um die Besucher noch mehr zu erfreuen. Wenn alle Mann und Frau an Bord sind, geht es zurück nach Bayahibe, von wo aus man sich wieder auf den Heimweg macht. Mit Heim ist das Schiff gemeint, das dich nun zum nächsten Hafen bringt. Dankbar erinnert man sich abends bei einem kühlen Schlummertrunk an die wunderbaren Erlebnisse und Eindrücke, die man erleben durfte und freut sich auf das, was noch kommt, denn die Reise führt dich noch an weitere Kleinode unserer schönen Welt!

Notiz: die größte Sehenswürdigkeit ist die Welt. Sieh sie dir an!

St Maarten

Der letzte Anlaufhafen unserer Seefahrt in der Karibik ist Philipsburg auf der Insel St. Maarten. Bekannt geworden ist „the beautiful island“ durch den legendären Flughafenstrand Maho Beach,wo die Flugzeuge so knapp im Landeanflug sind, dass man meint, nur seine Hand ausstrecken zu müssen um sie berühren zu können. Ganz so nah sind sie dann doch nicht, die Warnungen der Reiseführer werden dennoch sehr häufig wiederholt und man rechnet vorerst mit dem Schlimmsten. Doch man ist völlig in Sicherheit wenn man sich korrekt verhält. Die Insel teilt sich in einen französischen und einen niederländischen Teil. Jeder Bereich hat jeweils eine eigene Polizeistation, Feuerwache, einen eigenen Supermarkt, seperates Nachtleben. Casinos gibts nur auf der niederländischen Seite. St. Maarten besticht durch kleine, enge Gässchen und Bauten im Kolonialstil. Der letzte Hurrican im September 2017 hat seine Handschrift tief in der Insel hinterlassen. Überall sieht man Baumleichen, abgerissene Blechdächer und an Land getriebene Boote. Die Vegetation zeigt, dass es seit vielen Monaten nicht mehr geregnet hat. Gerade heute hat derHimmel seine Schleusen geöffnet und das kostbare Nass geschickt. Das Wetter in der Karibik ist sprunghaft und rücksichtslos, doch bietet es für alle Besucher und deren Vorhaben etwas. Nach etwa 30 Minuten löst der Sonnenschein den Regen wieder ab und bietet einen grandiosenTag, den es auszukosten lohnt. Die Erkundungsfahrt bringt dich weiter zu einem naturbelassenen Strand, an dem dir das türkise Wasser scheinbar zuruft, doch in es einzutauchen. Da die Wellen aber recht hoch ausschlagen, lässt du das besser sein und genießt die wunderbaren Momente vom Strand aus. Außerdem gibt es hier endlich kostenloses WLAN, um zuhause mal wieder ein Lebenszeichen zu hinterlassen. Vielleicht vermisst dich ja sogar schon jemand nach einer Woche Inselhopping. St Maarten hält noch eine wunderbare Überraschung für dich bereit: abends geht es mit einem großen Katamaran hinaus aufs Meer, wo du bei Reggae Musik und Rum Punsch in der einen und der Reeling in der anderen Hand in den Sonnenuntergang schipperst. Der Himmel meint es gut mit seinen Beobachtern und zeigt ihnen ein abendliches Farbenspiel in rot, gelb und orange. Ein ergriffenes Raunen geht durch die Bootsreihen. Ich vermute, es raunt sich mit Alkohol in den Venen noch leichter, die Emotionen dürfen in diesem Zustand ihr Gesicht zeigen. Wie auch immer, dem Bootsmann gefällt sein emotionsschwangeres Publikum und er zeigt beim Tanz mit dem Wind, was er und sein Riesensegel können. 1,5 Stunden und einige Rum Punsch später fährt man zurück in den Hafen, wo man an das heimatliche Schiff übergeben wird. Apropos: manch einer übergibt auch die Rum Punsch wieder. Zurück an Bord machst du dich für die nächste Party bereit: die white Night. DAS Highlight der Kreuzfahrt, denn heute hast du die Möglichkeit, dein weißes Outfit auszuführen. Und das tun ganz viele, deshalb hat es der Kapitän an diesem Abend schwer, zwischen all den weißgekleideten Herren in seiner Funktion erkannt zu werden. Dem geschulten Auge fällt er aber dennoch auf, denn mit ihm können sich die Passagiere fotografieren lassen. Man glaubt ja nicht, wieviele das Angebot nutzen. Besonders Frauen. Groupies auf hoher See! Der aufregende Tag mit all seinen Eindrücken hat Spuren hinterlassen, für zwei Partys an einemTag bist du eh alt genug, musst dir und auch sonst keinem etwas beweisen und hörst deshalb auf die Rufe, die aus deiner Kabine tönen, es dir doch in ihr gemütlich zu machen. Die Rückfahrt nimmt dir zusätzlich eine Stunde und so trabst du mit vielen Gedanken und Erinnerungen in dein schwimmendes Schlafgemach, dankbar für jedes einzelne Erlebnis. Bevor du in den Schlaf fällst, denkst du daran, dass du heute für die nächsten sechs Tage das letzte Mal festen Boden unter den Füßen hattest und du im Grunde noch gar keine Ahnung davon hast, was das eigentlich bedeutet….

Tage mit Meerwert

Von Land zu Land zu schippern beinhaltet auch, dass man sich dazwischen einmal durchgehend auf dem Meer bewegt. Wie schon erwähnt, ist das ohne lästige Reisekrankheitssymptome kein Problem, sondern durchaus entspannend. Kein frühes Aufstehen wegen geplanter Landflucht, keiner sucht hektisch nach beschilderten Hinweisen für Ausgänge. Die Restaurants, Shops, Cafes und Bespaßungen öffnen später ihre Türen und sich einfach mal auf einer Sonnendeckliege häuslich einrichten, hat auch was. Dazwischen lauscht man den Durchsagen der Schiffscrew, die ihr Rahmenprogramm für den Tag anpreisen. In Wirklichkeit gibt es nichts was nicht angeboten wird. Eine Lesung hier, eine Malstunde dort. Tanzkurse für Anfänger und Fortgeschrittene, Kettenfädeln für Erwachsene, Schnitzeljagd für Kinder, Aquagymnastik, TRX-Yoga, Faszientraining, Muskelrelaxion, Töpfern, Eisschnitzen, Gin- und Pralinenverkostung, Bridge oder ganz gewöhnliches Lesen in der Thalialounge, es ist für jeden was dabei. Ein Punkt könnte noch sein: Passagier 23: sich verstecken und garantiert nie mehr gefunden werden. Unfassbar, wie riesig dieses Schiff ist, man könnte sich den gesamten Urlaub aus dem Weg gehen, die Garantie für pure Harmonie im Urlaub. Die Scheidungsrate könnte rapide abnehmen dadurch. Aber Scherz beiseite, selbst wenn man bei all diesen Angeboten nichts passendes findet, die Bars sind immer für dich da. Ich habe Menschen beobachtet, die von morgens bis abends an einem Tresen stehen und trinken, weil ja alles inklusive ist. Die anderen sitzen nur in den Restaurants und kosten sich durch die wirklich feine Küche. Kein Wunder also, dass nach so einer Reise die Frühlingsrolle den Winterspeck ablöst. Dann gibt es wieder die ganz andere Spezies Mensch, nämlich die Sportfanatiker. Bereits um fünf Uhr früh laufen die ersten auf dem Sportdeck ihre Runden. Kein Scherz! Um acht brüllt der Drillconstructor seine harten Befehle in den Pool, völlig egal, dass das Publikum durchschnittlich 60 Jahre alt ist. Der Sesselkran am Poolrand steht da nicht ohneGrund. Immer wieder werden abendliche Theateraufführungen an Deck geprobt, der Fluch der Karibik bekommt hier eine völlig neue Bedeutung. Schön ist das Schiffsleben, man kann das Beste aus allem herausholen und einfach genießen! Und während du die Fahrt deines Lebens machst, näherst du dich deinem nächsten Ziel, ganz entspannt und ohne dein Zutun. Dann erlebst du neue Länder, Leute und Gebräuche und freust dich über festen Boden unter deinen Füßen.

Notiz an mich selber: Reisen kostet zwar Geld, macht aber unendlich reich!

Tage mit Meerwert

Wenn man bereits einige Tage auf dem Wasser „lebt“, verlieren sich Zeit und Raum. Nicht nur, dass durch den Wellengang wirklich der Raum häufig instabil scheint, wenn auf der Kabine nicht täglich das Tagesprogramm drapiert wäre, wüsste man nicht mehr, welcher Tag heute ist. Abervielleicht ist man erst wirklich im Urlaub, wenn das eingetreten ist. Was man auch beobachtet nach Tagen auf See ist, dass die Morgenläufe rapide abgenommen haben. Kaum einer, der bei Tagesanbruch noch läuft oder walkt. Merkwürdig, denn die Temperaturen sind hier auf dem Atlantik um ca. zehn Grad kühler geworden als in der Karibik. Vielleicht liegt es an den abendlichen Veranstaltungen und den Besuchen in der Abtanzbar? Man weiß es nicht, doch ich könnte mir vorstellen, dass man nichtsahnend, nach dem Abendessen noch auf einen Schlummertrunk zur Poolparty wandert, und erst frühmorgens in seine Kabine zurück kehrt. Dass man dann den Morning Run auslässt, erscheint mir nachvollziehbar. Hier an Bord geht man auf Nummer Sicher und wappnet sich für (fast) alle Eventualitäten, das erkennt man unter anderem auch an den überall angebrachten Kotztüten. Vermutlich gab es schon das eine oder andere Malheur mit den Mageninhalten der Passagiere oder auch der Crew? Wie auch immer, egal wann die Emesis einsetzt, ein Beutel voll Sicherheit hängt bereit.

Erinnerung: Kotzen ist eine Entscheidung aus dem Bauch heraus!

Madeira/Funchal

Nach sechs herrlich sonnigen Seetagen ist am Ende des Wassertunnels endlich wieder Land inSicht! Madeira, die Fenchelinsel. Üppig grünes Eiland mit mediterranem Klima. Heimat für ca. 300.000 Menschen, sowie Wale, Delphine und Wasserschildkröten. Die Vegetation ist reich an verschiedensten Pflanzen: von der Kiwi bis zu Maracujas, Aloe Vera, Papageien- und Trompetenblume, bis hin zu Hortensie, Farn, Bananen-Passionsblume und Lorbeer. Über 1000 Pflanzenarten bringt die zwischen Europa und Amerika liegende Blumeninsel zum Vorschein. Wenn man vor Anker liegt und auf die Insel blickt, gewinnt man den Eindruck, hoch oben in den Regenwald zu schauen. Der höchste Punkt liegt bei fast 2000 Meter, in Nebel gehüllt. Schroffe Felsen und malerische Dörfer finden hier in einen romantischen Einklang, dutzende Optic-Places laden zum Verweilen und Fotografieren ein. Die tropischen Pflanzen und frühlingshaften Temperaturen lassen den Alltag schnell vergessen. Kilometerlange Wanderwege ermöglichen fleißigen Gehern stundenlange Ausläufe. Wer nach Madeira reist, tut das vermutlich nicht wegen der Badestrände. Wenn man jedoch ein wenig genauer schaut, wird man im Norden bei Porta da Cruz eine wundervolle Bucht inklusive schwarzem Sandstrand entdecken. Doch nicht nur das Land bietet gigantische Aussichten, auch die Wasserwelt hält, was sie verspricht. Ich habe nie zuvor einen fliegenden Fisch in natura gesehen, doch hier wurde ich Zeugin dieser gigantischen tierischen Leistung. Die Wahrscheinlichkeit, einen Wal zu beobachten,ist da schon weitaus geringer, leider blieb uns dieses Spektakel tatsächlich vorenthalten, doch die Delphingruppen vor der Insel haben die kleine Enttäuschung wieder wettgemacht. Still gleiten diese Meeressäugetiere neben dem Expeditionsboot und zeigen, wie großartig GottesGeschöpfe sind. Die größten unter den Exemplaren können bis zu 400 kg wiegen und sind sehr massiv gebaut, da sie quer durch den Atlantik schwimmen und nicht an einem fixen Ort leben. Die Tümmler sind etwas kleiner und bleiben vorwiegend vor der Insel mit ihrer Gruppe. Sogar eine Wasserschildkröte kreuzte unseren Wasserweg und entlockte uns einige Ahs und Ohs!Der wohl berühmteste Export Funchals ist Fußballprofi Christiano Ronaldo, eine lebensgroße Statue ziert den Eingang des eigens für ihn gestalteten Museums am Hafen. Wenn die Sonne scheint, erstrahlt die gesamte Stadt, während über den Bergen schwarze Wolken hängen. Durch den Atlantikeinfluss kann sich das Wetter minutiös ändern: während es imNorden(Funchal) regnet, kann im Osten (Canico de Baixo) die Sonne scheinen. Apropos Funchal: hier gibt es eine lange, wunderschöne Promenade, die zum Flanieren lädt und einen hippen Hafen mit vielen Yachten und Restaurants. Ich erinnere mich gut daran, dass ich immer einmal nach Madeira reisen wollte, weil Kaiserin Sissi hier Urlaub gemacht hat und ihren Husten ausheilen konnte aufgrund des guten Klima. Ein Denkmal hier in Funchal erinnert an ihre letztendlich zwei Jahre dauernde Kurreise. Als bekennender Sissi-Filme-Fan sollte man der Insel deshalb einmal einen Besuch abstatten, es lohnt sich! Doch irgendwann ertönen auch hier die Schiffshörner und erinnern ans Weiterfahren. Um 17:30 Uhr heißt es: „Alle Mann an Bord“ und wir schippern dem nächsten, spannenden Ort entgegen!

Notiz an mich selber: wer an der Küste bleibt, kann keine neuen Ozeane entdecken!

Gibraltar

England im Warmen, gibts das? Ja, das ist möglich, nämlich in Gibraltar. Die Insel gehört zum englischen Königsreich, ein Marsch über die Flugzeuglandebahn, die übrigens nur durch ein Stoppschild für Autos geregelt ist, bringt dich nach Spanien. Die liebliche Altinnenstadt ist gekennzeichnet durch viele Pubs und Cafés, überall wird Fish&Chips angeboten. Zahlreiche Souveniershops preisen ihre Waren an. Da wir gerade zu Ostern vorort waren, herrschte reges Treiben auf dem Eiland. Die Kathedrale und Kirchen gerammelt voll mit gläubligen Christen. Ein Wahrzeichen ist die Festung am Upper Rock, auf dem mittlerweile an die 500 Berberäffchen frei leben. Wer sein Hab und Gut nicht sichert, könnte es an die diebischen Gesellen verlieren. Übrigens der einzige Ort in Europa an dem sich die Tiere in Freiheit vermehren dürfen. Bei guter Wetterlage hat man von dort aus gute Sicht nach Marokko, da es nur ca. 28 km entfernt ist. Mit einer Seilbahn ist der Berg leicht zu erreichen, aber auch per pedes ist dies über einen Fußpfad möglich. Natürliche Höhlen im Felsen von Gibraltar gelten als die letzten Rückzugsgebiete der Neandertaler in Europa. Gesicherte Spuren weisen auf eine Besiedlung der Gorham-Höhle noch vor etwa 28.000 Jahren hin. So manch gesichteter Zeitgenosse erinnert daran. Die Straße von Gibraltar, die das Mittelmeer mit dem Atlantik verbindet, ist für das Militär von großer Bedeutung. Das Vereinigte Königreich unterhält in Gibraltar einen Flottenstützpunkt. Seit langem kommt es zu Spannungen zwischen dem Vereinigten Königreich und Spanien, weil Spanien die Hoheit über Gibraltar wiedererlangen möchte.Gibraltar ist eine sehr geschichtsträchtige Insel, die historisch interessierten Menschen viel zu bieten hat. Wer darin nicht so seine Erfüllung findet, der wird sicher in den netten Läden für gekauftes Glück fündig. Die Kette „Mark and Spencer“ öffnete trotz Feiertag seine Pforten und ließ sich dankbar auf Tauschgeschäfte ein. Auch die gemütlichen Cafés erfreuen dich mit leckerem Creme-Cafe für wenig Geld. Die Währung ist bevorzugterweise der Gibraltar-Pfund, doch natürlich wird auch der Euro gern angenommen. Das Schiff musste jedoch auch an diesem Tag seinen Zeitplan einhalten, und so endete dieser interessante Ausflug auf ein für mich noch unbekanntes Eiland mit den Worten: „Alle Mann an Bord“, um uns zur nächsten Station einer unvergesslichen Reise zu bringen: nach Barcelona.

Notiz an mich selbst: Heut nichts anderes gesehen als Gibraltar. AUCH SCHÖN!

Barcelona

Für mich, die Barcelona nur vom Hörensagen kannte, ist sie ab nun die Gaudí-Stadt. Der berühmte spanische Architekt und Erbauer der Sagrada Família, hat sich in derkosmopolitischen Hauptstadt der katalonischen Halbinsel Denkmäler errichtet, die weltweit bekannt und berühmt sind. Egal, ob es die riesige Kathedrale, der Park Güell oder die Gaudí-Schule ist, dieser tief gläubige Mann, hinterließ eine Menge Fußabdrücke. So gibt es auch seit seinem Tod 1926 genaue Anordnungen, WIE die Sagrada zu gestalten sei. Letztendlich soll sie irgendwann einmal 18 Türme aufweisen. Auf die Frage, wann denn die Kathedrale fertig sein solle, soll Antoni Gaudí geantwortet haben: „Mein Aufraggeber ist Gott, er hat alle Zeit der Welt“. Doch nicht nur Werke von Gaudí, sondern auch die anderer großer Künstler kann man hier besichtigen. Das Museu Picasso und die Fundació Joan Miró zeigen moderne Kunstwerke ihrer Namenspaten. Wenn der Reisepartner ein Fußballfan ist, gibt es für ihn ein absolutes Sightseeing-Muss: das Camp Nou, das riesige Stadion hier in Barcelona. Es bietet Platz für 100.000 Fußballbegeisterte,oder eben normale Menschen, auch ein Eislaufplatz befindet sich darin. Nicht nur FC Barcelona Fans werden hier auf ihre Kosten kommen. In großen Metropolen gibt es immer auch eine menschenüberfüllte Straße. Die in Barcelona heißt „La Rambla“ und ich schwöre, ich habe noch nie so viele Leute gesehen! Wer also etwas sensibel auf Menschenansammlungen reagiert, der sollte sich den Besuch gut überlegen. Natürlich könnte es auch daran liegen, dass bei unserer Visite Valentins- und Literaturtag war und die Straßen gesperrt waren. Nichts desto trotz hat die La Rambla viel zu bieten. Abgesehen von den anbetungswürdigenWohnhäusern, gibt es unzählige markenträchtige Geschäfte, Cafés, Bars und Läden. Ein Abstecher in die malerischen Seitengassen zahlt sich auf jeden Fall aus. Das größteSchinkenhaus steht hier. Wussten Sie, dass es an die 600 Kolumbusstatuen weltweit gibt, sich die größte aber hier, zwischen Hafen und La Rambla befindet? Es wurde behauptet, dass die Hand von Kolumbus in Richtung der neuen Welt zeigen soll, doch nach Überprüfung ergibt sich, dass das nur stimmen könnte, wenn die Erde auf dem Kopf stehen würde. Die über 60 Meter hohe Statue wurde für die Weltausstellung 1881 errichtet und kann mit einem Aufzug befahren werden. Abschließend lässt sich sagen, dass Barcelona sicher einen Besuch wert ist, und besondersdurch Architektur und Kunst besticht. Die abenteuerliche und unvergessliche Transatlantikreise endet hier. FAST. Es gibt noch einenallerletzten Halt, bevor es mit dem Flugzeug heimwärts geht: Palma!

Notiz an mich selber: Spain is always a good idea!

Ich bedanke mich bei allen LeserInnen meiner persönlichen Kritzeleien für ihre Treue und die aufbauenden, motivierenden Worte und freue mich immer über jedes einzelne Kommentar in meiner Schreibstube!

Diese Reise war etwas ganz Besonderes und Eindrucksvolles für mich und auch dafür bin ich unendlich dankbar und demütig, da es nicht selbstverständlich ist, so etwas erleben zu dürfen. Wir haben diesmal besonders liebe Menschen kennen gelernt, manche davon sind gar nicht mal so weit von uns entfernt. Und die anderen laden wir einfach ein!

Mein ganz spezieller Dank gilt meinem Mann, mit dem diese Traumreisen Realität werden. Mittlerweile sind wir nicht nur alltags- sondern auch urlaubstaugliche Buddies ! 🙂

„Wer nie verreist, kann nie heimkommen“, so heißt es. Es stimmt und Heimkommen ist etwas Wunderbares. Danke, dass wir gesund gelandet sind!

Stil(l) leben.

Die Fastenzeit hat mich dazu animiert, mich mit dem Thema Stille zu beschäftigen. Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, wieviel Zeit Sie pro Tag still verbringen?

Gibt es überhaupt Momente, die gänzlich lärmarm sind? Oder läuft der Fernseher, das Radio, der PC, das Handy fast 24 Stunden täglich? Zumindest in der Arbeitszeit wird es kaum möglich sein, kein einziges dieser Geräuschquellen zu aktivieren. Und wenn es kein Gerät ist, das Lärm macht, dann sind es vielleicht andere Menschen, die Geräusche von sich geben. Das was uns umgibt, ist akustische Penetranz!
Gibt es sie dann überhaupt, die komplette Stille? Vermutlich nicht, denn nicht mal im Mutterleib ist es wirklich still. Bereits drei Monate vor der Geburt ist das Innenohr des Kindes fertig entwickelt und es nimmt die ständigen Geräusche rundum wahr. Blutzirkulation, Herzschlag, Verdauungsgeräusche, Gespräche der Mutter sind permanente akustische Begleiter. Selbst nach dem Tod eines Menschen, wenn das Bewusstsein schon erloschen ist, werden Schallwellen vom Ohr noch aufgenommen.
Das würde also bedeuten, dass Stille eine individelle Wahrnehmung ist. Der eine empfindet sie im Kloster, der andere auf einem Berggipfel und wieder ein anderer im Haus, wenn alle schlafen.
Warum wird das WC als „stilles Örtchen“ bezeichnet? Weil man still, und für sich allein „Druck ablassen“ kann. Nicht selten entstanden dort die bedeutendsten Ideen und Errungenschaften.
Heute ist es hier leider auch nicht mehr so still wie früher. Hand aufs Herz: nehmen Sie manchmal Tablet oder Handy mit dorthin, um sich von ihrem Tun abzulenken? Ich gebe es zu, ich ertappe mich dabei, dass mir mein Handy sehr häufig überall hin folgt. Immerhin könnte man ja etwas verpassen! Einen Anruf oder eine Nachricht, was ja bedeutet, dass jemand gerade an mich denkt, und denjenigen lässt man doch nicht warten. In unserer Gesellschaft gehört es nicht unbedingt zum guten Ton, NICHT erreichbar oder auf Standby zu sein. Manchmal meint man, einen vorwurfsvollen Unterton mitschwingen zu hören in der Frage, warum man erst so spät geschrieben hat. Aber vielleicht bildet man sich das auch nur ein, weil man selbst nicht gerne wartet 😉.


Ich glaube ja, dass es nur im Weltraum wirklich still ist. Auf der anderen Seite ist Stille manchmal auch eine Foltermethode. Einzelhaft mit absoluter Stille trieb so manchen schon in den Selbstmord oder noch schlimmer: in das Verrückwerden! Paradox, oder? Auf der einen Seite sehnen wir uns nach Stille, auf der anderen Seite fürchten wir sie auch.
Die Kloster-, Schweige- und Fastenurlaube boomen, immer mehr Menschen fliehen vor dem Alltagslärm und zahlen gutes Geld dafür. Dabei wäre es im Grunde gar nicht so schwierig für ein ruhigeres Leben zu sorgen. TV, PC, Tablet aus, Handy in Flugmodus. Was so simpel klingt, kann ein tonnenschweres Unterfangen sein. Doch wovor fürchten wir uns, wenn es still werden würde? Ist es Angst vor dem Alleinsein? Das Gefühl des Nicht-dazu-gehören, von Isoliertheit? Langeweile?
Was ist denn schlecht an einer „langen Weile“?
Mein Lieblingspädagoge und Tiefenpsychologe Andreas Winter schreibt, dass uns unsere „inneren Kritiker“(Eltern) schlechtes Gewissen machen, wenn wir nicht ständig etwas tun. Denken Sie mal darüber nach, es könnte sogar stimmen, dass wir uns häufig innerlich getrieben fühlen und uns unser inneres Kind durch permanente Geräuschkulissen mit seinen tiefen Bedürfnissen vom Leibe halten. Denn dann hören wir es ja nicht. Vielleicht entsteht Stille ja im Kopf und gar nicht im Außen. Ist Stille gleichzusetzen mit Ruhe?

Wenn man ein wenig still wird und bei sich Einkehr hält kann man sein Innerstes hören und ruhig werden. Mag sein, dass einem nicht immer gefällt was man da hört, doch es führt kein Weg an sich selbst vorbei und die ständige Ablenkung vor seinem Ich bringt im schlimmsten Fall unangenehme körperliche Symptome mit sich. Der Körper lügt uns niemals etwas vor.
Haben wir also keine Furcht vor der Stille, sie bringt Antworten auf alle Fragen.

Notiz an mich selber: „Stille lässt sich nicht an äußeren Orten finden. Der wichtigste Ort, an dem wir Stille erfahren können, ist unser Herz.“

Anselm Grün

Fastenmodus an

Ich weiß, es gibt in der Schreibstube bereits einen Artikel über das Fasten(www.isis-schreibstube/der-etwas-andere-Urlaub.at), doch zwei Jahre und einige Darmreinigungen später ergibt sich wieder die Möglichkeit, darüber zu sinnieren.

Wer sich entscheidet, in den Fastenmodus zu gehen und das ewige „Sich-etwas-gönnen“ mal für eine Weile hinter sich zu lassen, kann dies in einer etwas schonenderen Art und Weise tun, als sofort auf feste Nahrung zu verzichten. Nämlich mit Basenfasten.
Statt Suppen und Säfte gibt`s dabei basische Lebensmittel. Ohne Salz. Was gewöhnungsbedürftig klingt, ist es auch. Ich gebe zu, so manch frisch gepresster Obstsaft schmeckte besser als die gemüseverarbeitete, salzlose, feste Mahlzeit. Doch die gesundheitsfördernde Wirkung der basischen Ernährung ist unumstritten bewiesen, und was tut man nicht alles, um lange gesund zu reifen, anstatt kränklich zu altern?
Wer sich also dafür entscheidet, könnte einen Ort aufsuchen, an dem dieses Programm angeboten wird, was, meiner Meinung nach, leichter durchzuhalten ist, als es alleine zuhause zu praktizieren.
Aber ganz ehrlich, egal wo man basisch fastet, es ist nicht immer lustig, basisch zu sein. Die „Spaßmacher“ unter den Nahrungsmittel finden sich eher unter den „Säurebildnern“, wie Kaffee, Alkohol, Zucker, Fleisch, Fett und Salz. Doch auf die will man ja einmal eine Weile bewusst verzichten. Heißt das also zwangsläufig, dass man auch auf den Spaß verzichtet? Nun, wer ehrlich zu sich selber ist, findet durchaus ein kleineres oder größeres JA in seinem Bewusstsein. Doch zum Glück hat der Mensch zwei gute Freunde zur Verfügung , den Willen und den Vorsatz, die uns beim Fastenbeginn- und durchhalten helfen können und die Fähigkeit, sich auf Situationen einzustellen, was wiederum seinen möglichen Stress damit verhindern kann.
Es ist auch nicht immer lustig, die beim Fasten täglich empfohlene Darmreinigung zu praktizieren. Wer darin geübt ist, dem „geht das förmlich von der Hand“, und das Procedere ist in ca. 30 Minuten abgehandelt. Klingt ziemlich aufwandslos, doch es gibt viele Menschen, die mit diesem Vorgang große Probleme haben und sich dazu niemals überwinden können. Einerseits aus schlechten Erfahrungen heraus oder einfach durch das Kopfkino, das verständlicherweise beim Gedanken daran entstehen kann. Doch beim Fasten ist die Darmreinigung, auch Einlauf genannt, eine fast unumgängliche Anwendung. Denn ein leerer Darm hat keinen Hunger, was natürlich das Durchhalten sehr erleichtert. Bereits nach ein-, zwei Tagen verspürt man kaum noch Appetit, bzw. Hunger und das gibt einem ein gutes Gefühl!
Ein weiteres Phänomen während einer Basenfastenwoche ist das der täglichen Bewegung. Während man sich zu Hause schon nach einem Dogwalk als Sportskanone fühlt, hat man, trotz leerem Magen, Kraft, Ausdauer und sogar Spaß an jeglichen Bewegungseinheiten. Egal ob im Geräteraum, im Cardiobereich, beim Schwimmen oder Walken, beinah jeder ist ständig on move. Liegt es an der vorhandenen Zeit? Ist es Ablenkung vom Essensgedanken? Was es auch sei, es hilft.
Wie beim Kuraufenthalt(www.isis-schreibstube.at/Auszug-aus-dem-Kurtagebuch) sind auch beim Basenfasten deine Tischnachbarn deine lang gesuchten Freunde, denn Interesse verbindet. Und mit wem könnte man sich besser über Einläufe unterhalten als mit Wissenden?
Nach ungefähr vier Tagen hast du dich an den Frühstücksbrei gewöhnt, obwohl die Erinnerung an das „tägliche Brot“ sich fest im Hinterkopf eingebrannt hat und immer mal wieder ein Lebenszeichen von sich gibt und
nachdem du ja pflichtbewusst deinen Kaffeekonsum schon eine Woche vorher auf Null gesetzt hast, fällt dir der Verzicht darauf nun auch nicht mehr schwer.
Anders sieht es allerdings mit Getreide und Zucker aus. Man glaubt ja nicht, wie diese Stoffe süchtig machen können, nach den ersten Fastentagen hast du allerdings eine erschreckende Ahnung davon! Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier oder eben ein Meister des-sich-einstellen-können und er entwickelt auch hier einen gewissen Gewöhnungseffekt.

Die im Kaffeehaus angepriesenen Zuckerwaren interessieren dich nun nur mehr peripher, doch wenn sich dein Lieblingsbesucher den Zuckerschock in Form der Sachertorte verpasst, denkst du kurz darüber nach, ob das Leben ohne Zucker überhaupt lebenswert ist.
Nichts desto trotz vergeht auch die vorgenommene basische Woche und am Ende dieser bist du eines ganz sicher: stolz!
Was einfach klingt, ist es nicht immer und es bedarf auch an Durchsetzungskraft-, vermögen und Motivation.
Das bedeutet, machen Sie eine Fastenkur nur, wenn Sie das wirklich wollen, denn Müssen macht Müde und Wollen macht Wach!
(Andreas Winter)

Und unterstützend zum Essenfasten gibt es auch die Möglichkeit des Jammerfasten. Noch nie gehört? Für mich war das auch neu. Diese Art des Fastens kommt aus Belgien. 30 Tage ohne Jammern. Statt Mieselsucht und Meckerei, Lachen und gute Laune. Wer ständig jammert, steigert seine eigene Unzufriedenheit und das kann sogar die Gehirntätigkeit verändern, zudem sorgt es für eine latent gereizte Stimmung in der Umgebung. Warum also nicht Jammerfasten? Einen Versuch ist es allemal wert.

Notiz an mich selber: wer ein Sofa zu Hause hat eine(n) „personal Couch“😂!

Die Ewige Wunde

Schmerzt  Sie Ihre Wunde?
Wussten Sie überhaupt, dass Sie eine haben?
Ich kann Sie beruhigen, jeder hat eine. Doch nur die wenigsten wissen das.

Nun dürfen Sie sich, wenn Sie meinen Artikel lesen, zu den „Besserwissern“ zählen. Das ist keine Beleidigung, aber wenn wir etwas wissen, was andere (noch) nicht wissen, dann sind wir das.
Leider ist das wieder eines der Worte, die eine völlig falsche Bedeutung bekommen haben und von einem ursprünglich guten, zu einem bösen Wort oder gar einer Beleidigung wurden. Nur zum Nachdenken!

Ich habe also vor kurzem die „Ewige Wunde“ kennen gelernt. Und dieses Wissen hilft mir, mich und die anderen besser verstehen zu können.
Was ist die Ewige Wunde überhaupt?
Die Geschichte von der Ewigen Wunde geht aus der griechischen Mythologie hervor. Der Zentaurus Cheiron, halb Tier, halb Mensch, galt als unverwundbar. Doch eines Tages zog er sich eine Wunde zu, die nicht und nicht heilen wollte. Er sammelte so viel Wissen, Salben und Kräuter für die Wunde, doch nichts brachte sie zum heilen.
Sein Apothekerschränkchen konnte Cheiron zwar damit füllen, doch seine Wunde blieb geöffnet. Er verband sie schließlich und gab das gesammelte Wissen darüber an jene weiter, die bei ihm für ihre eigenen Wunden Heilung suchten.
Was bedeutet das für uns?
Es gibt also Verletzungen, die wir uns zugezogen haben, die einfach nicht heilen wollen, doch auf der Suche nach Heilung sammeln wir so viel Wissen darüber, dass wir anderen, mit ähnlicher Wunde damit helfen können.
In der Praxis könnte das bedeuten: auch eine übergewichtige Ernährungsberaterin kann anderen beim abnehmen helfen, obwohl sie selbst nicht schlank werden wird.
Oder der Therapeut, der selbst mit Bevormundung kämpft, kann seinen Klienten Wege aus dieser zeigen.
Ich hab mal gelesen, dass das Opfer der beste Therapeut sei.  Mit dem neu gewonnenen Wissen über die Ewige Wunde zeigt sich dieser Satz als bestätigt. Für mich.

Ich denke, es wird Menschen geben, die sich nicht eingestehen werden, dass auch sie eine ewige Wunde haben. Auch ok, wenngleich Heilung dann wohl schwieriger sein wird.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Ewige Wunde bereits kennen oder zumindest finden. Es erleichtert den Umgang mit sich selbst ungemein und lässt einen milde sein mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten. Und mit denen der anderen.

Notiz an mich selber: nicht die Zeit heilt Wunden, die richtigen Menschen tun es.

EingestEHEn

Welche Gedanken gehen Ihnen beim Wort EHE durch den Kopf?
Sind Sie selbst verheiratet oder in einer eheähnlichen Verbindung?

Angeblich wird jetzt wieder mehr geheiratet und die Ehen halten wieder länger.

Wirklich weg war die Ehe ja eh nie – grundsätzlich gute Ideen sterben eben nicht aus. Und wer will sich dem romantischen Gedanke  schon ganz verwehren?
Ganz sachlich betrachtet ist Heirat, Ehe eine anerkannte, zumeist gesetzlich oder rituell geregelte, gefestigte Form einer Verbindung zweier Menschen.
Die Partner werden als Eheleute, Ehepaar oder Ehegatten (von Begattung) bezeichnet. In einer Ehe übernehmen die Partner Verantwortung füreinander. Dieser Vorgang soll die Eheleute sowohl finanziell als auch rechtlich absichern. Man hat allerdings nicht nur Rechte sondern auch Pflichten in einer solchen „ordentlichen“ Verbindung. Wie jedoch mit diesen bei diversen Rosenkriegen umgegangen wird, ist beinah täglich traurige Realität.

Wenn man seinen (Traum)partner trifft, sich in ihn/sie verliebt, verdrängt man grundsätzlich, dass diese Phase jemals enden könnte. Doch nach ca. drei- bis 18 Monaten verändert sich diese verliebte Haltung.
Es stellt sich heraus ob daraus Liebe wird oder eben nicht. Die Schmetterlinge im Bauch sind großteils ausgeflogen und man stellt fest, dass man davon auch nicht satt geworden ist oder man künftig etwas wählerischer bei der Auswahl seiner Verdauungsorganmitbewohner sein könnte.
Auch wenn man zunächst nicht genug vom Partner bekommen kann, werden jetzt die selbstbestimmten Wege wieder interessanter. Die anfängliche Anpassung an die Gegenstückinteressen hält dem Druck nicht Stand was sie ja auch nicht muss , denn Gegensätze ziehen sich an und das Innerste drängt nach Außen. Der eine fastet gern, der andere ist glücklich mit lukullischen Verlockungen. Man trifft sich in der Mitte und sucht sich statt des Klosterurlaubs einfach ein nettes Hotel in dem man auch gesunde Kost wählen kann und beide sind glücklich! Zumindest eine Weile! Denn es geht immer darum, Kompromisse zu finden, Rücksicht zu nehmen und seine eigenen Bedürfnisse zumindest ein wenig zu verändern und anzupassen, wenn man nicht als Solist in einem Duett spielen will! Wo Menschen zusammen kommen, menschelt es nun mal. Dass es einfach wird hat niemand behauptet.
Erst kürzlich habe ich darüber gelesen, dass man im Alter immer weniger andere Menschen mag und schon gern alleine ist. Und: dass das sogar OKAY ist.
Das könnte die vielen glücklichen Singles erklären 😁!
Was jedoch das Traurige an vielen (ehemaligen) Liebesverbindungen ist, sind die Verletzungen, die man sich irgendwann gegenseitig zufügt. Sei es unbewusst, unbeabsichtigt oder gar mit vollem Bewusstsein und purer Absicht. Ich denke mir oft, warum ist der Mensch so? Wir sprechen von Liebe und wissen gar nicht was das WIRKLICH ist und wie DAS geht.
Linguistische Messerstiche, verräterische und zerstörerische Handlungen. Geboren aus Verletzungen, umgesetzt in kindlichen Verhaltensweisen. Viele wissen es, doch können nichts dagegen tun, sie wollen den eigenen Schmerz von sich abwenden und dem anderen umhängen, nur um ihn nicht selbst spüren zu müssen.
Den verkümmerten Selbstwert durch sukzessiven Raubbau am Ego des „Geliebten“ stärken wollen, das sind unsere tollen Motive, die wir LIEBE nennen.
Ich weiß es klingt abgedroschen oder naiv oder einfach dumm, aber warten wir nicht darauf, dass der andere es richtig macht, zeigen wir es ihm einfach!

Und eines müssen wir uns alle eingestEHEn:
Die Ehe ist wie ein Telefon-
wenn wir nicht richtig gewählt haben, sind wir falsch verbunden!

Auszug aus dem Ferientagebuch

Darf man kinderfreie Lebensbereiche für gut befinden?

Kinder, Kinder!
Sie können süß, putzig, brav, lieb und verschmust sein.
Sie sind für viele das Lebensziel, der Lebensauftrag und der Lebensmittelpunkt.
Doch, gibt es auch Zeiten, in denen man Orte und Bereiche ohne Kinderlachen schätzen darf? Sind kinderfreie Zonen erlaubt?
Im Urlaub zum Beispiel?
Wenn ich mir eine arbeitsfreie Zeit gönne, dann halte ich immer Ausschau nach dem verführerischen Schild: Adults only. Zu deutsch: nur Erwachsene!

Waren Sie jemals in so einem Bereich?
Wenn nicht und Sie haben die Möglichkeit, weil ihre Kinder gut fremdbetreut oder bereits „aus dem Gröbsten raus“ sind, dann probieren Sie es bitte aus.
Es mag stimmen, dass die Welt leer wäre ohne ein Kinderlachen. Doch es stimmt auch, dass es manchmal schön ist, KEIN Lachen von außen zu hören und nur seinem eigenen, inneren Dialog zu lauschen und sich vielleicht nicht zuständig fühlen zu müssen, wenn ein Stimmchen „Mama“ ruft.
Gerade aktuell ist eine heftige Diskussion in den sozialen Medien im Umlauf: ein Restaurantbesitzer öffnet ab 17 Uhr sein Lokal für Adults only!
Und warum? Weil sich viele Erwachsene durch den Kinderlärm gestört fühlen. Es mag sich die Frage stellen ob das richtig oder falsch ist. Aber warum muss man immer alles in Schwarz und Weiß teilen? Warum kann man etwas nicht einfach so stehen lassen, ohne es zu bewerten? Es wird einen Grund geben, warum der Besitzer sich so entschieden hat, auch auf die Gefahr hin, Kunden zu verlieren oder schlechte Bewertungen zu bekommen.
Ich finde es mutig, eine Entscheidung zu treffen und dahinter zu stehen. Generell. Und ganz besonders wenn diese auch für die Öffentlichkeit von Bedeutung ist und polarisiert.
Immer mehr  Eltern genießen vor allem im Urlaub die kinderfreien Bereiche und können als Paar die gemeinsame Zeit nutzen, die im Alltag oftmals zu kurz kommt.
Vielleicht sind die vehementen Kinderfreibereichsverweigerer die, die Schwierigkeiten mit dem Abgeben von Verantwortung oder Angst vor Kontrollverlust haben?
Zu vertrauen, dass alles seine Richtigkeit hat und jemand anderer auch gut für das Kind sorgen kann, ist vielleicht auch nicht so einfach für den/die eine(n) oder andere(n)!
Und dann wollen wir das schlechte Gewissen nicht vergessen! Man muss alles, besonders die Kindererziehung, ALLEINE schaffen! Nur keine Hilfe beanspruchen und sich bitte fast bis zur Eigenauflösung engagieren!
Glückliche Eltern sind gute Eltern. Wenns den Eltern gut geht, geht es den Kindern auch gut. Also sei zu tun was dafür notwendig ist. Die einen brauchen mal kinderfrei, die anderen sind glücklich, wenn alle zusammen sind.
Jeder soll die Möglichkeit haben, sich zu entscheiden. Und deshalb finde ich es gut, dass es kinderfreie Zonen gibt. So kann jeder dorthin gehen, wo er meint seine Entspannung zu finden.
Ich finde es nicht in Ordnung, jemanden dafür zu verurteilen, dass er seine Freizeit lieber ohne Kinderstimmen verbringt. Umgekehrt soll es Bereiche geben, in denen Kinder eben Kinder sein dürfen. Ohne Rücksicht!

Notiz an mich selber:
Lärm ist menschlich, Stille göttlich!

Verzeihung!

Ein großes Wort, finden Sie nicht?
Aber nur, wenn man es wirklich, wirklich ernst meint.
Es kann auch ein Wort sein,  das einem schnell mal über die Lippen kommt, weil es manchmal  süffisant, zweideutig, unsicher, provokant oder doppeldeutig benutzt wird.  Vielleicht ist es tief im Inneren ernst gemeint, aber es wird eingebettet in Unsicherheit, damit man nicht dumm da steht wenn das grundsätzlich heilsame Wort vom Gegenüber nicht ernst- oder gar angenommen wird.

Verzeihen heißt: „Erinnern ohne Schmerz„.
Geht das überhaupt? Ja, das geht!
Mit Hilfe der Zeit, und der inneren Bereitschaft.
Konfuzius sagt: „Es schadet nicht, wenn einem Unrecht geschieht. Man muss es nur vergessen können.“
Klingt merkwürdig im ersten Moment, ich weiß, doch bei genauerer Betrachtung hat der große Meister recht. Verzeihen verhilft zu eigenem inneren Frieden und ist KEIN Zeichen von Schwäche, im Gegenteil!

Manchmal, tief im inneren, in unserem Kinder-Ich(Sigmund Freud), neigen wir dazu, aus sehr fragwürdigen Gründen nicht verzeihen zu können oder zu wollen. Man befürchtet, dem anderen dadurch einen Freibrief zu geben und möchte ihn bestrafen. Dass dadurch die Beziehung zu unserem Gegenüber im schlimmsten Fall auseinanderbricht, bedenken wir in unserem Zorn gar nicht.
Doch was hat man selbst dazu beigetragen, dass ein Verzeihen überhaupt notwendig ist? Auch diese Seite muss betrachtet werden, selbst wenn man sich als Verletzte(r) im absoluten Recht und in der Opferrolle sieht.
Aber wie oft soll man verzeihen? Ist es nicht auch wichtig, eine Grenze aufzuzeigen und dem Gegenüber zu vermitteln, wann etwas wirklich, wirklich genug ist? Was, wenn man sich selbst in all der Verzeihung verliert und irgendwann seine eigenen Grenzen nicht mehr kennt?
Jesus sagt: „Geben ist seliger denn nehmen„. Das bedeutet, dass wir gar nicht so oft verzeihen können, als dass uns schon vergeben wurde. Egal von wem. Irgendjemanden haben wir auch schon einmal verletzt und dann waren wir auf dessen „Gnade“ angewiesen. Ich weiß das klingt sehr theatralisch, doch ich denke dass es darum geht. Selbst wenn wir nicht um Verzeihung bitten, weil wir denken es sei egal, ob uns vergeben wird und wir auf die Zuneigung des anderen nicht angewiesen sind, ist ein wohlwollendes ungestörtes Verhältnis für jeden von uns ein beruhigendes Gefühl, denn JEDER  möchte geliebt, wertgeschätzt und (an)erkannt werden.
Und deshalb bin ich der Meinung, dass wir alle auf Vergebung angewiesen sind, Punkt.

Es gibt viele Gründe fürs Verzeihen: das Missverständnis, ein verpasster Termin, der zu früh eingetretene Tod eines geliebten Menschen, das selbst herbei geführte Lebensende, die Lüge, der Seitensprung, das Suchen von Bestätigung im Außen, das Herabwürdigen und Beschimpfen und so vieles mehr…
Letztendlich geht es bei jeder Verletzung um alte, meist kindliche  Erlebnisse, die darauf warten, gelöst zu werden.
So können wir also, im Erwachsenen-Ich, Verzeihen als Chance zur Heilung betrachten.
Mein Lieblingspädagoge und Tiefenpsychologe Andreas Winter sagt, dass es leider nicht sehr viele echte Erwachsene gibt, weil wir bei  jeder nächsten Gelegenheit als kindliche Opfer mit kindlichen Methoden reagieren(Rückzug, Angriff oder Totstellung).
Es liegt also noch ein weiter Weg vor uns zum wahren Erwachsensein, wenn wir das werden wollen!

Eines ist sicher: Verzeihen geht sicher nicht von heute auf morgen, es braucht seine Zeit und darf geübt werden. Letztendlich tun wir uns nur selbst den größten Gefallen, wenn wir es schaffen. Und vielleicht geht es gar nicht immer um das Verzeihen  der Fehler des anderen, sondern um unsere eigenen.

Falls  sie sich vielleicht gerade die Frage stellen ob sich verzeihen überhaupt lohnt, dann erinnern sie sich daran, dass Verzeihen eine Eigenschaft des Starken ist und nicht die des Schwachen!

Danke an alle Verzeiher und *Chapeau* an diejenigen die das Verzeihen täglich üben!

Auszug aus dem Reisetagebuch

Amore mio!

…sind dann die Einkaufstaschen und die wertvollsten Dinge im Hotelzimmer verstaut und frau die Hände für andere wichtige Dinge frei hat, zieht es sie in eine der angesagten Bars der via della shopping.

Aktuelle Beats dröhnen aus den Boxen, der Barmann mixt was das Zeug hält und wo man hinschaut coole italienische Menschen. Und österreichische. Viele, viele österreichische junge Menschen.
Es ist springbreak-time in Lignano! Ausnahmezustand tagsüber am Strand und nächtens in der Barstreet.
Zum Glück hat frau vorgesorgt und sich ein schmuckes Hotel mit feinem Pool und Poolservice organisiert.
Ein Spaziergang am Strand reicht aus, um sich einen groben Überblick über die Situation zu verschaffen und weiß, wo man seine Badezeit NICHT verbringen will!
Selbst beim Liegen am Wasserbecken kommt man in den musikalischen Genuss, der sich aus den transportablen Boxen ergießt und frau gibt zu, dass die rhythmische Dröhnung zur Einstimmung auf einen lau(t)en Abend beitragen können.
Nachdem frau sich also in einer hippen Bar einen fixen Stellplatz organisiert hat, freie Sicht auf alle Gäste hat und (die eine mehr als die andere) unauffällig zum Rhythmus schwingt, wird zunächst ein Cocktail bestellt und über dessen Zubereitung und mögliche Wirkung diskutiert.
Das flotte Tanzbein wird in Stellung gebracht, sämtliche unvorhergesehene Situationen im Geiste durchgespielt. Frau muss sich schließlich dieses Wochenende ohne männlichen Sicherheitsbeauftragten durchschlagen und da das tanzende und trinkende Nachtvolk eher noch in der unteren Altersliga spielt, wähnt sich das SIE über 40 in Sicherheit.
Die Lignano-Damen lachen, konversieren, philosophieren und begutachten ihr Umfeld und schießen natürlich Fotos von den vielen nocturnal animals und von sich selbst.
Und wenn du denkst, es ist hier niemand an dir in reiferem Alter interessiert, dann täuschst du dich. Denn nur ein kurzer Moment der Unachtsamkeit reicht aus und jemand zeigt großes Interesse:
an deiner Tasche!
Und bis du drauf kommst ist der Aufreißer längst damit über alle Berge!
Mit einer Frau in fortgeschrittenem Alter legt sich keiner an, denn die schützen sich vor ungewollten Angriffen jeglicher Art!
Deshalb hat sie alles Wichtige, inklusive Einkaufstaschen, im Hotelzimmer gelassen. Damit rechnet kein Abstauber und wird sich solange in Sicherheit eines ergiebigen Raubzuges wähnen, bis er sein Diebesgut öffnet.
Da die entwendete Tasche zum Glück NICHT von Bulgari war, ist die Trauer über den Besitzerwechsel nicht allzu groß und frau kann sich wieder den wichtigeren Dingen des Lebens widmen, wie zum Beispiel dem Konsum eines weiteren Mischgetränk und der Überlegung wo eine neue Tasche ersteigert wird.
Ein Vorteil am Älterwerden ist größere Flexibilität und mehr Gelassenheit! Die Natur hat für risikoreiches Leben vorgesorgt.

Erkenntnis: nicht immer muss es ein Herz sein, das man im Urlaub verliert. Manchmal ist auch „nur“ eine Tasche!

Danke an die Stammtischdamen für das entzückende, sonnendurchflutete und erlebnisreiche Lignano-Wochenende!

Auszug aus dem Reisetagebuch

Mode, schau!

Wenn der erste Tag im sonnigen Italien zu Ende geht, und frau sich zurechtmacht, dann ist sie bereit für la Notte mit allem was dazu gehört.
Wie bereits erwähnt, hat noch keine gute Geschichte mit einer „Latte“ begonnen und dementsprechend wird die Vinobar angesteuert, in der man schon am Nachmittag gute Stunden verbracht hat.
La Lingua erinnert sich sogleich an il Gusto und sendet alle Eindrücke ans weibliche Gehirn.
Da man jederzeit mit diversen Knabbereien zum Alkohol verwöhnt wird, läuft man fast Gefahr, seinen anfänglichen Appetit zu betäuben, doch in fortgeschrittenem Alter weiß jeder, wie übel solche Geschichten enden können. Also beendet frau nach dem Glas ihre Weinsitzung und schlendert durch die betriebsame Einkaufsstrada, ein Auge immer auf mögliche Schnäppchen gerichtet.
Ein feines Ristorante ist alsbald gefunden, denn so gut wie jedes Lokal bietet ausgezeichnete italienische Cucina und fast alles was Herz und Magen begehren, kann bedenkenlos genossen werden.
Die eine entscheidet sich für eine typische italienische Speise wie Pizza, die andere schließt sich an und die dritte wagt sich an frittierte Meerestiere. Egal was, alle sind zufrieden und lukullisch glücklich. Das Essen schmeckt, das Wetter passt und der Wein hinterlässt einen feinen Geschmack auf der Urlaubszunge.
Aber da frau ja nicht (nur) zum Spaß in italienischen Gefilden weilt, sondern einen einkaufstechnischen Auftrag zu erfüllen hat, wird die Tafelrunde beendet und dem Duft der zahlreichen Modehäuser gefolgt. Alteingesessene Lignano-BesucherIn(ausgesprochen Linjano) kennt natürlich die besten Shops mitsamt deren VerkäuferIn oder gar BesitzerIn und handelt nach erfolgreicher Ware-gegen-Geld-Interaktion ein paar percentuale zugunsten der UrlauberIn heraus!
Und so kann es den ganzen Abend weitergehen. Oder fast. Denn shoppen macht auch durstig und die ausgetrocknete Kehle schreit nach einem Prosecco auf Eis oder einem Aperol sprizz.
Also kehrt man in der nächsten Vinothek ein und ordert das alkoholhältige Erfrischungsgetränk!
Da man mit Einkaufstaschen nicht besonders lässig wirkt, entscheidet frau, diese besser ins Hotelzimmer zu bringen um die Hände frei zu haben für eine Nacht voller Musik, Tanz und Unterhaltung.

Und falls man am nächsten Morgen mit Ringen unter den Augen aufwacht, dann sind die hoffentlich von Bulgari!

Fortsetzung folgt…

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