Das Cinderella-Syndrom 2.0

…oder über die Notwendigkeit, „Eier“ zu haben

Kennen Sie das Märchen „Cinderella“?

Der letzte Rat ihrer (Cinderellas) Mutter war: „Sei mutig und freundlich“.
Seit ich den Film gesehen habe, hat es dieser Rat in mein Gedächtnis und daraufhin in meinen aktiven Wortschatz geschafft.
Der Satz fasziniert mich jedes mal aufs Neue, wenn ich über ihn nachdenke. Doch ich bin mir sicher, dass ihn jeder anders versteht, definiert und leben wird.

Was bedeutet es, mutig zu sein?
Mut, auch Wagemut oder Beherztheit, bedeutet, dass man sich traut und fähig ist,  etwas zu wagen, das heißt, sich beispielsweise in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben.
Dass man etwas wagt, was man vorher noch nie gewagt hat, seine Angst überwindet, über sich hinauswächst, dass man riskiert zu scheitern und es trotzdem macht.
Mutig sein heißt auch, neugierig zu sein und zu bleiben und Fortschritte zu machen und allein Entscheidungen zu treffen, und die Konsequenzen zu tragen, auch wenn sie unangenehm sind.
Doch was hat das mit Freundlichkeit zu tun?
Als Freundlichkeit bezeichnen wir das anerkennende, respektvolle und wohlwollende Verhalten eines Menschen, aber auch die innere wohlwollende Geneigtheit gegenüber seiner sozialen Umgebung.
Für mich gehört beides untrennbar zusammen. Ich glaube, dass man es im sozialen Kontext wesentlich leichter hat, sein „Ding zu machen“, wenn man eine gute Absicht verfolgt und wertschätzend zu seiner Umgebung ist und bleibt(www.isis-schreibstube.at/freund(lich)sein).
Vielleicht ist es mutig, sich von einer Person zu trennen, ohne zu wissen, was einen erwartet. Auf das WIE kommt es an. Vielleicht ist es aber mutig, einfach zu bleiben, auszuharren und darauf zu hoffen, dass das Leben es schon richtet?
Ist eine Frau mutig, wenn sie das erste mal, nachdem ihr Mann verstorben ist, an den Urlaubsort zurückkehrt, an dem die beiden glückliche und sorglose Stunden verbrachten? Und das, obwohl sie noch nie alleine geflogen ist?
Oder ist ein Mann, der von seiner Frau verlassen wurde, mutig, wenn er zurückblickt und ihr dennoch sagt, dass sie das beste war, dass ihm jemals passiert ist – obwohl er weiß, dass es kein Zurück gibt?
Keine Angst vor Zurückweisung, Scheitern und Verletzung! Wer mutig und freundlich seinen Weg verfolgt, kommt zu Wachstum und kann eigentlich nur gewinnen, oder?

Mutig ist es auch, NEIN zu sagen. NEIN zu einem Anderen, weil das ein JA zu sich selber ist. Doch bitte freundlich! Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, doch ich kann mittlerweile ein NEIN schon ganz gut annehmen, wenn ich merke, dass mein Gegenüber es gut mit mir meint. Und wer denkt, erwachsen zu sein, der wird das aushalten(müssen). Raus aus dem Kindersitz auf den Erwachsenensessel!

Hat Freundlichkeit etwas mit Rechenschaft-ablegen zu tun?
Es macht doch bitte einen Unterschied, ob etwas ohne Erklärung negiert oder abgelehnt wird, oder ob ich das Gegenüber über meine Entscheidung (achtsam) informiere. Täusche ich mich? Auf den Knien rutschen und um Vergebung betteln braucht doch niemand, nur dazwischen sollte es noch etwas geben.  Die Diplomatie!
Ich habe einige gute FreundInnen und Bekannte , die MeisterInnen in dieser Disziplin sind und wofür ich sie bewundere! Eine Entscheidung formulieren sie mehrheitlich so höflich, dass man es gar nicht mitbekommt, dass das Ausgesprochene jetzt eigentlich ein NEIN war.
Und ein paar andere sind ständig am Lernen und Üben! „Zeig mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist“. Diejenigen machen mich auch zu einem besseren Menschen, weil sie „die Eier“ dort haben wo sie hingehören! Nämlich in die Hose und unter den Rock. Und Eier gibt es nur dort, wo die Anlagen dafür gegeben sind.

Notiz an mich selbst: Mut und Freundlichkeit sind also nichts für Feiglinge!

Und vielleicht braucht es einfach nur Mut, um freundlich zu sein!

6 Kommentare

  1. Da stimme ich Dir vollkommen zu – Mut und Freundlichkeit ist nichts für Feiglinge!
    So schön geschrieben – danke!
    Liebe Grüße Renate

  2. Elfriede Monihart

    13. Dezember 2017 at 18:45

    Schöne Gedanken, liebe Isabell.
    Ich besuche deine Schreibstube regelmäßig. So erfahre ich etwas von deinen Gedanken.
    Weiter so!
    Ich bin stolz auf dich!
    Deine Tante

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