DE MUTigen gehört die Welt

 

Kann man Demut lernen, oder ist sie angeboren?
Sollte man demütig sein oder werden oder ist das ein alter und überholter Begriff aus der Kirchensprache?
Wenn jemand früher von Demut oder demütig-sein sprach, dann wusste ich nichts damit anzufangen und hatte sofort das Bild der knieenden Nonne vor Augen, deren gesamtes Handlungsfeld der Kirche und Gott gewidmet war. Faaaaaaad!

Heute, einige Jährchen später hat sich mein Bild von Demut geändert. Ich versuche demütig zu sein. Noch mehr zu sein oder endlich zu werden. Manchmal ist es mir zu wenig. Nämlich dann, wenn ich ein langersehntes Ziel erreicht oder ein Projekt beendet habe, und schon wieder zum nächsten (scheinbaren) Etappensieg hetze. Nichts gegen Ziele-vor-Augen-haben, doch sich im eigenen Haus umschauen bevor man die Welt verändern will wäre auch nicht schlecht.

Sind SIE demütig?
Was heisst das eigentlich?
In Wikipädia steht: die Bereitschaft, etwas als Gegebenheit hinzunehmen, nicht darüber zu klagen und sich selbst als eher unwichtig zu betrachten.
Nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Kriechertum, das besagt, dass man sich selbst erniedrigt, oder sich vor anderen demütigt. Das hat nichts mit Demut zu tun!
Genauso gibt es einen großen Unterschied zwischen demütig sein und gedemütigt werden. Ersteres ist die eigene innere Einstellung, während zweiteres das Ausnutzen seiner Stellung gegenüber einem anderen bezeichnet.
Nun, zurück zum eigentlichen Gedanken: sollte man also demütig sein?
Ja! Ich denke schon. Vielleicht könnte man demütig mit dankbar vergleichen. Dankbar sein für das was man hat, was man geschafft hat, was man ist. Natürlich gibt es immer mehr, immer etwas Schöneres oder Besseres, aber warum nicht einmal innehalten, sich umsehen und erkennen, dass es aber auch immer etwas Schlimmeres, Hässlicheres oder Schlechteres gibt?,
Ich habe mich während meiner „Recherchen“ zu diesem Thema umgehört und bin drauf gekommen, dass demütig-sein auch etwas mit voranschreitendem Alter zu tun hat. Wenn man jung ist, erkennt man die Bedeutung dieses Wortes noch nicht. Vielleicht weil das Bewusstsein, dass Erreichtes nicht geschenkt, Gesundheit nicht selbstverständlich und Liebe in ihrer unterschiedlichen Aufmachung ein Glücksfall ist, noch fehlt.
Doch mit wachsender Lebenserfahrung erkennen wir, dass ALLES in und um uns Geschenke sind und dass uns ALLES in einem Bruchteil einer Sekunde wieder genommen werden kann.
Die Eltern, die ihren Erziehungsauftrag nicht zeitgerecht erfüllen konnten, der geliebte Mann, mit dem man seine Zukunft geplant hatte, selbst das Kind dem nur ein kurzes Stück Leben vergönnt war. Wobei der Tod das endgültigste aller Schicksale ist, doch was ist mit Naturkatastrophen, die über uns und unseren Besitz unangemeldet hereinbrechen und unsere Existenzen bedrohen oder gar auslöschen können?
Nichts von dem was wir sind und haben ist von Dauer und dessen MÜSSEN wir uns bewusst sein. Sich einfach immer wieder mal daran erinnern und dankbar sein, dann ist der Schritt zur Demut getan.
Im Gespräch mit einer lieben Freundin sinnierten wir über den Begriff und dessen Bedeutung und wir kamen drauf, dass man in diesem Bewusstsein über die Vergänglichkeit dennoch Spass haben soll bzw MUSS! Denn sonst hätte all das keinen Sinn. Und die Fähigkeit, mitten in der Pflichtvergessenheit einen dankbaren Gedanken zu haben, die kann man üben.
Es gelingt mir schon ganz oft, am Ende eines Tages ein beherztes Danke auszusprechen und es macht mir ein gutes Gefühl, Dankbar zu sein.
Vielleicht ist Dankbarkeit und Demut die Vorbereitung aufs Glücklichsein?
Es fühlt sich zumindest so an…doch darüber wird es vielleicht einen eigenen Artikel geben😉.

Notiz an mich selber: Die Steigerung von MUT ist DEMUT und den MUTigen gehört ja bekanntlich die Welt.

2 Kommentare

  1. Danke, wieder einmal ein toller Artikel!
    Demut, das Schicksal annehmen, mit all seinen Facetten, ohne zu hinterfragen, warum und wieso, fällt mir nicht leicht! Aber Dankbarkeit, das spielt in meinem Leben eine große Rolle, wenn ich abends auf meinem „Schaukelbankerl vorm Haus sitze, die Abendsonne genieße, auf den vergangenen Tag zurückblicke – dann bin ich dankbar!

    • Vielen Dank! Was wären all meine Gedanken ohne solchen Zusprüche und Bestätigungen. Ich finde es toll, wenn Leute sich mehr Gedanken darüber machen, als nur über den nächsten Tag.. ich könnte gar nicht anders… ich bin auch dankbar für alles was ich habe! Danke dass meine Artikel gelesen werden! ich freu mich so!

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