Wussten Sie dass man jede menschliche Gruppe mit den Figuren aus einem Kasperletheater vergleichen kann? Ja, das ist die reine Wahrheit!
Während Sie diese Zeilen lesen, spielen Sie vermutlich Ihr freundschaftliches Umfeld und jeden einzelnen, lieben und gut bekannten Menschen durch, stimmt’s?😉
Gut! Das war meine Absicht. Man sollte sich grundsätzlich viel mehr mit seinen Liebsten auseinandersetzen – vielleicht könnte dann so manch unangenehme Situation und im schlimmsten Fall sogar eine an Missverständnissen drohende Zerstörung einer Freundschaft verhindert werden.
Doch zurück zum Kasperletheater.

Die Hauptfiguren eines Marionettentheaters sind grundsätzlich der Kasperl, der einen Schlagstock als imaginäre Waffe mit sich führt.  Aus diesem Bild entstand der Begriff „slapstick“. Der Hans-Wurst der Gesellschaft schlägt ja gerne mit „wahnwitzigen“ Sprüchen um sich und versucht so seine Umgebung mundtot zu machen. Der Kasperl braucht Applaus und Bühne und scheut nicht davor zurück, sich dafür lächerlich zu machen. Bei Kritik an seiner Person schützt er sich durch die Behauptung des Bedarfs der anderen am Gelächter. Vielleicht übersieht der Kasper dabei, dass jede Gesellschaft ein Ventil braucht, über das sie sich lustig machen darf. Und für den Preis eines Scheinwerfers rollt er dem Publikum sogar den roten Teppich aus.

Der zweite wichtige Charakter im Spiel des Lebens ist die Gretl. Sie liebt den Kasper und würde alles für ihn tun. Dieser Typ Frau findet sich auch im realen Leben häufig an der Seite des immerlustigen, scherztreibenden Harlekin, dem nur die Zipfelmütze als primäres Charaktermerkmal fehlt. Diese Frauen halten sich gern im Hintergrund und  dem Spassmacher die Treppe zur Bühne des Lebens frei. Wäre demnach jede Gretl die „starke Frau hinter dem erfolgreichen Mann“?

Der dritte Charakter des Lebenstheater ist meiner Beobachtung nach die Prinzessin. Sie steht für Ordnung und Klarheit und trägt ihr Krönchen mit Würde. Sie weiss um die Bedeutung ihrer Rolle. Echte Prinzessinnen  strahlen Lieblichkeit und Herzlichkeit aus, wofür sie von anderen – oftmals Gretls, die lieber Prinzessin wären – beneidet und sogar angefeindet werden. Wenn die Prinzessin weint, dann hat sie sogleich einen hilfsbereiten Tröster an ihrer Seite, der ihre Tränen trocknet. Auch dafür wird sie gerne von ungeschickten Gretl -Damen verurteilt. Dabei gibt es für jede Träne ein Taschentuch, das in einer Tasche eines Trösters auf seinen Einsatz wartet. Ich kenne auch Frauen, die das Leben einer Prinzessin führen, obwohl sie in ihrem Innersten einer Gretl gleichen. Auch das ist möglich. Diese Damen konnten sich manchmal einen Prinzen angeln und solange dieser von der Anmut der Herzensdame geblendet ist, spielt es für ihn keine Rolle, ob waschechte Prinzessin oder Gretl im Prinzessinnen-Outfit.

Der Mann an der Seite einer Prinzessin zu sein impliziert leider nicht die Tatsache ein echter Prinz zu sein. Auch dieser Rolle muss eine innere Haltung vorausgehen und nicht die Fähigkeit ein guter Schauspieler zu sein. Die Täuschung wird bald auffliegen und es gibt genug Paare, die als Prinzessin und Kasper durchs Leben gehen in der Annahme, dass beide von königlichem Blut seien.
Den Räuber im Puppentheater nenne ich gern „Abstauber“. Er lässt die anderen – z.b. den Kasperl und den Prinzen – die Vorarbeit leisten und im richtigen Moment schlägt er zu und stiehlt die Prinzessin! Da kann dann nicht mal mehr der „Slapstick“ helfen!
Doch vielleicht kann der Polizist hier Abhilfe leisten. Dieser Charakter steht für Recht,  Ordnung und Obrigkeit und soll helfen den bösen Räuber oder – in unserem Fall  den Abstauber – hinter Schloss und Riegel zu bringen.
Na? Haben Sie sich in einer der genannten Rollen wiedergefunden bzw. erkennen Sie Ihre Liebsten darin? Bitte nehmen Sie mein Possenspiel nicht allzu ernst, jedoch könnte Sie die eine oder andere Charakterisierung auf eine neue Erkenntnis im Umgang mit Ihren Mitmenschen gebracht haben und das erleichtert unser Miteinander ungeheuerlich.

Deshalb nehmen Sie Platz in der ersten Reihe Ihres ganz persönlichen Kasperletheaters und rufen Sie ganz laut „JA“, wenn sie gefragt werden, ob wir „ALLE DA“ sind…

Applaus für die POSSE DES LEBENS

Isabell Tüchler