Laufen macht frei

Macht laufen frei?

Ich antworte mit einem klaren, überzeugten JEIN!

Egal wie langsam man läuft, man schlägt alle die zuhause geblieben sind.

Wir alle kennen diese Tage,  an denen man mit sich selbst, mit dem Lebenspartner, mit den Freunden, mit der Lebensumgebung- schlicht, mit allem was man bewusst verursacht und wofür man sich entschieden hat, einfach unzufrieden ist.
Der Tag beginnt im wahrsten Sinne des Wortes als „bad hair day“. Aus dem Spiegel lacht dir ein Waschbär auf Drogen entgegen und du weißt, das war noch das harmloseste Monster das heute versucht an die Oberfläche zu gelangen.
Das nächste Highlight ist dein Versuch in deine Lieblingshose zu kommen. Witzig, denn  gestern passte sie noch wunderbar. In der Nacht muss sie irgendjemand enger genäht haben. Alles zwickt, nichts passt. Du greifst zu altbewährter Gewandung: black is not dead! Doch bequem muss es sein. Freiheit beginnt bei bewegungsaktivem Stoff!
Jetzt geht es darum, die innere Ordnung wiederzuerlangen.
Es heisst: „Innere Ordnung beginnt mit der äußeren“. Du machst dich also daran, deine Umgebung von sichtbarem oder unsichtbarem Dreck frei zu machen. Du wischt, du fegst, du saugst, du schrubbst. Alles muss raus. Der Weggefährte und das Haustier! Alles zuviel! Zuviele Kleider, zuviele Schuhe, zuviele Taschen, zuviele Cremes, Bücher, Deko….alles zuviel. Selbst du bist dir heute zuviel!
Der arme Ehegespons weiß auch keinen Rat und ergreift die Flucht nach vorne: „Geh doch an die frische Luft, das wird dir gut tun.“ Ist das bloß Eigenschutz oder wirklich gut gemeinter selbstloser Tipp?

Im Grunde egal, du diskutierst noch eine Weile mit Horst, deinem inneren Schweinehund und legst dir alle kognitiven Dissonanzen,  zurecht warum raus gehen jetzt gar nicht möglich ist und deinen Zustand sicher nicht verändern wird. Doch der Lebenskamerad lässt nicht locker,  um dich aus dem Haus zu bekommen, also nimmst du deinen Hund und gehst. Toll, es regnet! Eigentlich soll man bei Regen nicht raus gehen, die Haare werden nass! Doch zum Glück(oder leider) fällt dir ein, dass heute sowieso ein „bad hair day“ ist und nun ist auch der letzte Grund dahin, um nicht nach draußen zu treten und den Raum zu verlassen!
Und während du gehst,  wirst du schneller. Und aus dem Gehen wird ein moderates Traben. Als großzügiger Mensch nennst du diese Fortbewegungsart Laufen. Mit deinen Beinen laufen auch deine Gedanken mit. Sie überholen dich rechts und zeigen dir die Zunge.  Ausgetrickst!
Du überwindest zwar nicht deine Schmerzgrenze, kommst auch nicht in den „Flow“, dennoch schüttet dein Körper Endorphine aus und schenkt dir 30 Minuten gutes, zumindest besseres Gefühl und dein Miese-Peter kann sich jetzt verabschieden. Dein Hund springt vor Glück vor deinen Füßen hin und her und seine gute Laune steckt an!
Nach 30 Minuten Dauerlauf ist dein Gehirn wieder geflutet mit positiven Gedanken und Zuversicht, dass die Hose morgen wieder passt  und Taschen, Cremes, Schuhe und Bücher kann man sowieso nie genug haben.

Laufen löst sicher keine Probleme – doch das tut ein Apfel ja auch nicht!

Und das beste Projekt an dem du arbeiten kannst,  bist du selber!

 

Isabell Tüchler

1 Kommentar

  1. Hallo Isabell,
    Sehr lieb geschrieben und kommt mir sehr bekannt vor !!!
    Lustig finde ich den Vergleich mit den Apfel …… 🙂
    Nur so weiter ….. schöne Grüße Markus

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