Wo die Nachtigall schläft

..oder warum es sich lohnt, nach Hamburg zu reisen.

Ich kenne Hamburg vom Hörensagen. Ich weiss, dass es die Reeperbahn gibt. Habe von St. Pauli gehört und liebe Fischbrötchen. Ich kenne auch den König der Löwen. Zumindest als Zeichentrickfilm.
Doch es war mir nicht bewusst, dass man all das auf einmal, und  ganz einfach konsumieren und einen Städtetrip so genießen kann.
Es ist nämlich so, dass ich zwar schon häufig den Urlaubsort gewechselt habe und viele verschiedene Länder bereisen durfte (www.isis-schreibstube/bootstauglich.at), aber ich habe erst eine Städtereise gemacht, und die führte mich, dreimal raten, NICHT nach Hamburg.
Nun, die Idee, die Hansestadt zu besuchen entstand eigentlich bei einem Musicalbesuch. Und den König unter den Musicals schaut man sich eben in der Fischstadt an.
Gesagt, getan, nach einem angenehm kurzen Flug von einer Stunde und fünfzehn Minuten landet man völlig entspannt am Flughafen Hamburg. Ein Taxi ist schnell gefunden und das auffällige daran ist, dass sämtliche PKW cremefarben und recht luxuriös ausgestattet sind. Und selbst, wenn das Vehikel äußerlich eher klein erscheint, darf man sich nicht täuschen lassen, über wieviel Größe und Stauraum es innen verfügt. „Außen zwar nicht Pfui, aber innen auf jeden Fall Hui!“
Was noch auffälliger auf Hamburgs Strassen ist, sind die unzählbaren Fahrräder inklusive Betreter! Und die Strassen sind für die gesunde Fortbewegungsart sehr vorbildlich ausgebaut. Dennoch muss man sich oft in Acht nehmen, weil sich die Pedalritter von hinten fast geräuschlos nähern und der Großstadtlärm sämtliche Radlärmquellen übertönt.

Als überaus angenehme und informative Wissensvermittlungsquelle hat sich einerseits der Hopp-Off-Bus offenbart. Dieser dreht seine Stadtrunden anheimelnd, friedlich und bequem immer wieder durch die City und bietet unzählige Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten. Im Bus findet sich ein Reiseführer, der über die wichtigsten und interessantesten Sehenswürdigkeiten berichtet, und in perfektem Zusammenspiel mit dem Chauffeur die Neugierde seiner Insassen befriedigt. Allein die Villengegend im besten Stadtteil von Hamburg, die Blankenese, ist eine Besichtigung wert. Namhafte Stars und erfolgreiche Geschäftsleute haben hier eine Adresse, gewohnt wird allerdings häufig woanders. Die sichtbar leerstehenden, unbeleuchteten und  durchwegs weißen Häuser beweisen dies. Einzig die Gärtner sind die guten Seelen, die dafür sorgen, dass die wunderschönen Gebäude nicht hinter blickdichtem Buschwerk verschwinden.
Neben dem Bus ist es andererseits ein Muss, eine Bootsrundfahrt auf der Elbe und auf der Alster zu machen. Auch auf diesem Wege erstreckt sich die Stadt in all ihrer Schönheit und Pracht. Gesehen haben sollte man die Speicherstadt, den weltweit größten Lagerhauskomplex, die kleinen Kanäle die sich durch Hamburg schlängeln und die neu gebaute Elbphilharmonie, ein riesiges Konzerthaus und neues Denkmal der Stadt. Hamburg hat über zweitausend Brücken, mehr als Venedig.
Und wenn man auf dem Wasser so gemächlich dahin schippert, sollte man sich ein Craft Beer von Astra, Hosten oder Duckstein und ein Fischbrötchen gönnen. Optisch wie lukullisch ein Hochgenuss und beides zusammen genossen, ein wahrer Stimmungsaufheller der natürlichen Art. Da macht es gar nichts, wenn die Sonne nicht scheint, die Besichtigungstour lässt dennoch das Herz erwärmen! Eine kleine Anmerkung am Rande: ich weiss jetzt, dass es in der Elbe Robben gibt.
So füllt man die Tage in Hamburg mit unvergesslichen Momenten, doch auch die Nächte können wahrhaftige Optic Places zum Vorschein bringen.
Dass die Reeperbahn in St. Pauli im Grunde auch eine Sehenswürdigkeit ist, steht außer Frage. Sie ist zwar tagsüber genauso hässlich wie nachts, dennoch hat sie eine übermächtige Anziehungskraft auf Nachtschwärmer, Touristen und gefallene Engel, die Nacht für Nacht und Tag für Tag in den Sündenpfuhl zurück kehren.
Ein wenig Abstand von der Rotlichtmeile bekommt man im „Pulverfass„, ein Cabaret der etwas anderen Art, die man einmal gesehen haben kann, wenn man Lust „auf was anderes“ hat. Es lohnt sich!
Einer, der vermutlich schon des öfteren in seinem Leben auf der Reeperbahn zu Gast war, und zum Urgestein Hamburgs zählt, ist die „Nachtigall„, wie er sich selber nennt, Udo Lindenberg. Er lebt seit Jahren im Hotel Kempinsky Atlantic zur Miete und man trifft ihn häufig an der hoteleigenen Bar zu fortgeschrittener Stunde im Raucherzimmer, weil er dort seine nächtlichen Kreise zieht. Auch DAS haben wir erlebt und auch ER  ist ein Optic Place, glauben Sie mir.
Das gesamte Hotel ist mit Herrn Lindenbergs Karikaturbildern mit passenden Untertiteln bestückt und man kann sie käuflich erwerben. Sie sind sogar leistbar!

Doch die Krönung der Hamburgreise ist das Musical der Musicals, der „König der Löwen„! Schon die Anreise ist ein Highlight für sich, sie offenbart sich nämlich als Schifffahrt, weil die Bühne auf einer eigenen Insel steht.
Und wenn man dann noch das Riesenglück hat, erste Reihe fußfrei sitzen zu können, dann ist der Abend perfekt. Man hat den kompletten Ausblick auf jedes fein hergestellte und ausgeklügelte Kostüm. Die menschlichen und tierischen Verkleidungen und die Kulisse können die Besucher in einen wahren Begeisterungstaumel versetzen, wenn diese ihr inneres Kind an der Hand nehmen und sich auf die zweieinhalbstündige Reise ins Zauberland einlassen. Und auch wenn dieses Musical bereits seit zwei Jahrzehnten fast täglich ausverkauft ist, hat man das Gefühl, dass die Aufführung genau heute, genau für einen selbst, gespielt wird.

Jeder, der die Möglichkeit hat, nach Hamburg zu fahren, sollte dies tun, denn Hamburg ist eine Perle!
Und bevor man eine Therapie beginnt, sollte man nach Hamburg fahren. Ein Wochenende reicht aus, um sich einen guten Überblick zu verschaffen und einen Eindruck zu bekommen!

Und wie heisst es so schön?
TSCHÜSS IN HAMBURG!

 

Ich danke meinen tollen Reiseführern und Begleitern für dieses unvergessliche Wochenende!

4 Kommentare

  1. So ein schöner Reisebericht, da komm ich gleich wieder ins Schwärmen:-)

  2. Gerhard Schmölz

    31. Oktober 2017 at 12:16

    Sehr schön und gut beschrieben.
    Hamburg ist eine Multi Kulti Stadt für alle Altersgruppen immer eine Reise Wert.

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