Diesen Spruch kennen wir alle. Doch haben Sie schon mal darüber nachgedacht ob er auch wirklich stimmt?
Ich habe es getan und meine Gedanken gesammelt.
Wissen Sie, dass Voltaire diesen Satz im 18. Jahrhundert geprägt hat? Ich glaube er hat nur bedingt damit Recht.
Ein Satz, der sich leicht sagt. Vor allem wenn man nicht betroffen ist. Doch der akute Schmerz will nichts davon wissen, dass er vergeht. Bis Wunden heilen dauert es so lange, bis die Seele meint, bereit dazu zu sein. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Genauso der Schmerz. Er vergeht nicht schneller, nur weil man sich ablenkt, zerstreut oder ihn bestreitet.
Es stimmt, dass Menschen unterschiedlich mit Schmerz umgehen. Doch entkommen kann ihm niemand. Ich denke das haben Millionen versucht, der Schmerz hat sie alle gefunden und fest umarmt. Wunden können nur heilen, wenn man sie liebevoll pflegt und versorgt. Nur zu gern würden wir einfach ein Pflaster drauf kleben, den Schmerz nicht mehr spüren und die Verletzung nicht sehen. Natürlich gibt es diese Pflaster. Man nennt sie: Alkohol, Nikotin, Tabletten, Menschenansammlungen und andere Ablenkungen. Doch unter diesen Wundstillern findet keine Heilung statt. Darunter wird es höchstens faulig und stinkig und im schlimmsten Fall beginnt es, sich zu entzünden. Wollen wir das riskieren? Auch wenn’s weh tut, über die Zeit der Heilung kommt niemand hinweg.
Eine kluge Frau hat gesagt, dass der akute Teil des Schmerzes und der Heilung mit einer Geburt zu vergleichen ist. Solange es We(h)llen schlägt, ist sie nicht vorüber, wohl aber die Schwangerschaft. Der erste Schritt ist getan.
Und so wie der Nabel als Geburtsnarbe übrig bleibt, bleibt auch nach jeder seelischen Verletzung eine Narbe. Sobald sie Teil deiner Lebensgeschichte ist, schmerzt sie nicht mehr.
Wenn jemand oder das Leben eine Seite aus deinem Lebensbuch reisst, sind wir erstmal überfordert und glauben dass es nicht weitergeht. Doch vielleicht ist es gar nicht mehr als EINE Seite die fehlt? Und die übrigen Seiten werden sich auch spannend und aufregend lesen. Wir würden stets gerne wissen, was in unserem Lebensbuch steht, die Geschichte kennen, die wir über uns erzählen. Doch Leben ist, was passiert, während wir noch Pläne machen.
Und die Komfortzone verlassen mag auch nicht jeder. Schon gar nicht ungefragt und unfreiwillig.
Während Schmerz zu empfinden natürlich ist, ist leiden eine Entscheidung.
Ist Zeit das Pflaster oder gewöhnt man sich einfach an den Schmerz?
Zeit hilft. Und macht aus Ereignissen Erinnerungen. Zeit hilft vielleicht die Intensität des Schmerzes zu regulieren, aber sie löst den Schmerz sicher nicht in Luft auf. Mancher Schmerz bleibt. Verliert aber an Intensität und bestimmt nicht mehr die gesamte Gefühlswelt.
Entscheidend ist wohl nicht die Größe der Wunde sondern die Tiefe.
Den Schmerz zu akzeptieren ist die wahre Heilung finde ich. Die Auseinandersetzung mit diesem hilft bei der Heilung und fördert das persönliche Wachstum, so sagt man. Irgendwas gutes soll es haben, das Leiden.
Die österreichische Bloggerin Jaqueline Scheiber schreibt, nachdem sie ihren Partner durch plötzlichen Tod verloren hat: […]dann weiß ich, dass mein Schmerz ein Gesicht trägt. Ein weiterer Ausdruck, der meinem Gesicht nun inne wohnt.
Eine starke Person, die gelernt hat, mit Schmerz umzugehen und ihm einen Platz in ihrem Leben gegeben hat.

Vielleicht heilt also nicht die Zeit alle Wunden, sondern wir selbst, mithilfe der Zeit.

Memo: Die Zeit mag Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin.